Viele Eltern kennen durchsichtige Schienen (Aligner) als Behandlung für Erwachsene. Die Frage, die uns in der Praxis oft gestellt wird, lautet daher: Geht das eigentlich auch schon bei Kindern? Die gute Nachricht vorweg: In vielen Fällen ja – und für die Kleinen kann es eine angenehme Alternative zur festen Zahnspange sein.
Warum überhaupt schon im Kindesalter behandeln?
Manche Zahn- und Kieferfehlstellungen lassen sich am besten früh angehen, solange der Kiefer noch wächst. Fachleute sprechen dann von einer Frühbehandlung. Ein typisches Beispiel ist der Kreuzbiss, bei dem einzelne Zähne „verkehrt herum“ zum Gegenkiefer stehen. Wird er früh korrigiert, lässt sich die weitere Entwicklung oft auf einen guten Weg bringen.
Inhaltsverzeichnis
Über die Autorin
Dr. Julia Steinmaier
Fachzahnärztin für Kieferorthopädie
Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.
Was spricht für Aligner bei Kindern?
Durchsichtige Schienen haben aus Elternsicht ein paar sympathische Vorteile:
- Kaum sichtbar: Viele Kinder tragen sie lieber als eine auffällige feste Spange.
- Herausnehmbar: Zum Essen und Zähneputzen kommen die Schienen heraus – Zähneputzen bleibt einfach, und es gibt keine Einschränkungen beim Lieblingsessen.
- Angenehm zu tragen: Keine Drähte oder Brackets, die drücken oder scheuern.
Worauf es ankommt: das Mitmachen
Ehrlich gesagt steht und fällt der Erfolg mit einem Punkt: Die Schienen wirken nur, wenn sie zuverlässig getragen werden – in der Regel rund 22 Stunden am Tag. Hier sind Kind und Eltern als Team gefragt. Erfahrungsgemäß klappt das bei vielen Kindern erstaunlich gut, gerade weil sie die Schienen als „ihre“ Aufgabe annehmen.
Ein Beispiel aus unserer Praxis
Ein achtjähriges Mädchen kam mit einem Kreuzbiss eines vorderen Zahns und einem etwas zu schmalen Oberkiefer zu uns. Statt einer festen Spange haben wir die Korrektur mit durchsichtigen Schienen geplant. Nach rund einem halben Jahr stand der betroffene Zahn richtig und die Zähne passten wieder gut zusammen – ganz ohne feste Apparatur. Die fachlichen Hintergründe dieser Behandlung haben wir in unserer Fachpublikation zur Aligner-Orthodontie bei Kindern zusammengefasst.
Ist mein Kind ein Kandidat?
Ob eine Aligner-Behandlung für Ihr Kind infrage kommt, hängt von der individuellen Situation ab. Am besten lässt sich das in einem persönlichen Gespräch klären. Gern schauen wir uns die Zähne Ihres Kindes an und beraten Sie, welche Behandlung sinnvoll ist.
Häufig gestellte Fragen zu durchsichtigen Zahnspangen für Kinder
Ab welchem Alter sind durchsichtige Schienen für Kinder geeignet?
Aligner kommen meist ab dem späten Wechselgebiss infrage, wenn ein Großteil der bleibenden Zähne durchgebrochen ist – häufig etwa ab dem 10. bis 12. Lebensjahr. Bei jüngeren Kindern stehen andere Frühbehandlungen im Vordergrund. Den richtigen Zeitpunkt bestimmen wir nach einer Untersuchung.
Sind Aligner für Kinder genauso wirksam wie eine feste Zahnspange?
Bei vielen Fehlstellungen sind Aligner eine wirksame Alternative. Entscheidend ist die Mitarbeit: Die Schienen wirken nur, wenn sie konsequent getragen werden. Bei komplexen Fehlstellungen kann eine feste Zahnspange die bessere Wahl sein.
Wie lange muss mein Kind die Schienen tragen?
Für ein gutes Ergebnis sollten die Schienen etwa 22 Stunden pro Tag getragen und nur zum Essen und Zähneputzen herausgenommen werden. Diese Disziplin ist die wichtigste Voraussetzung für den Behandlungserfolg.
Was passiert, wenn mein Kind eine Schiene verliert oder beschädigt?
Das kann vorkommen. Wichtig ist, uns zeitnah zu informieren – meist wird dann die vorherige Schiene weitergetragen oder die aktuelle neu angefertigt, damit sich die Zähne nicht zurückbewegen.
Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung bei Kindern?
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen kieferorthopädische Behandlungen bei Kindern ab einem bestimmten Schweregrad (KIG-Einstufung). Wir klären die Kostenfrage vor Behandlungsbeginn transparent mit Ihnen.