Fachpublikation

Aligner-Orthodontie bei Kindern

Auf einen Blick
Für Patient:innen

Auch bei Kindern lässt sich eine Frühbehandlung mit durchsichtigen Schienen planen. Der Beitrag zeigt an einem Fall, wie das mit praxiseigener Software in Eigenregie umgesetzt wird.

Für Fachkolleg:innen

Aligner-Frühbehandlung im Wechselgebiss mit In-house-Planung.

Passende Behandlung in unserer Praxis: Kieferorthopädie für Kinder & Jugendliche
29.05.2026

Durchsichtige Schienen auch für Kinder – eine moderne Frühbehandlung

Durchsichtige Schienen (Aligner) gelten oft als Behandlung für Erwachsene. Tatsächlich können sie aber auch in der Frühbehandlung von Kindern eine komfortable Alternative zu festen Spangen oder Kunststoffplatten sein. Die zugrunde liegende Fachpublikation unserer Praxis zeigt das anhand eines realen Falls und beschreibt die fachlichen Hintergründe der Aligner-Behandlung im Kindesalter. Im Folgenden erklären wir die wichtigsten Punkte verständlich.

Warum Aligner auch für Kinder?

Aligner waren anfangs vor allem bei Erwachsenen beliebt, weil ihr Erfolg von der guten Mitarbeit abhängt – die Schienen wirken nur, wenn sie konsequent getragen werden. Inzwischen zeigt die Erfahrung jedoch, dass auch viele Kinder gut mit Alignern zurechtkommen. Für Kinder heißt das: eine herausnehmbare, kaum sichtbare Schiene statt Brackets oder Kunststoffplatte. Zum Essen und Zähneputzen nehmen sie die Schienen heraus; Zähne und Zahnfleisch lassen sich so gründlicher reinigen als um feste Brackets herum.1

Warum keine zusätzlichen Aufbisse nötig waren

Bei einem Kreuzbiss müssen die Zahnreihen beim Korrigieren oft kurzzeitig „entkoppelt“ werden, damit der betroffene Zahn am Gegenzahn vorbeikommt. Bei festen Apparaturen oder einer aktiven Platte braucht es dafür zusätzliche Aufbisse auf den Backenzähnen. Beim Aligner übernimmt das die Folie selbst: Sie liegt auch auf den Kauflächen, und diese Schichtstärke hält den Biss um einen kleinen Betrag offen.2 Im beschriebenen Fall konnte deshalb auf festsitzende Aufbisse verzichtet werden.

Ein Behandlungsbeispiel

Die Ausgangssituation

Ein achtjähriges Mädchen stellte sich in unserer Praxis vor. Der seitliche obere Schneidezahn rechts (Zahn 12) stand im Kreuzbiss zum unteren Gegenzahn (42), also hinter statt vor ihm. Der Oberkiefer war zu schmal, und die beiden ersten oberen Backenzähne (16 und 26) waren nach vorn eingedreht. Damit lag eine Indikation für eine Frühbehandlung vor – also eine gezielte Korrektur schon im Wechselgebiss. Als Alternativen kamen eine aktive Platte mit Frontfeder oder eine sogenannte 2×4-Mechanik (Brackets auf vier Schneidezähnen und zwei Backenzähnen) infrage; beide hätten vorübergehend Aufbisse im Seitenzahnbereich gebraucht. Gemeinsam mit den Eltern fiel die Entscheidung für Aligner.

Der Behandlungsverlauf

Zuerst wurden kleine, zahnfarbene Halteelemente (Attachments) direkt auf die Zähne geklebt: senkrecht auf 16 und 26, auf Zahn 12 zusätzlich eines auf der Gaumenseite, damit der Aligner den Zahn nach vorn schieben kann.3 Danach wurden beide Kiefer mit dem Intraoralscanner digital erfasst. In der Planungssoftware haben wir die Zähne virtuell getrennt und die Zielstellung festgelegt.

Den größten Weg hatte Zahn 12: 4,4 Millimeter nach außen. Diese Strecke wurde in acht gleich große Schritte von je 0,55 Millimetern aufgeteilt. Für jeden Schritt wurde ein Modell im 3-D-Drucker gedruckt und darauf die Schiene aus PET-G-Folie (0,5 und 0,75 Millimeter stark) tiefgezogen – alles im eigenen Labor.4 Die Schienen reichen etwa 2 bis 3 Millimeter über den Zahnfleischrand, damit sie gut halten und die Kraft übertragen.6

Das Mädchen trug jede Schiene etwa eine Woche lang rund 22 Stunden am Tag und wechselte sie dann selbstständig zur nächsten. Nach 16 Alignern folgte eine Feineinstellung mit sechs weiteren (drei Planungsschritte mit je zwei Schienen).

Digitaler Ablauf der Aligner-Frühbehandlung: Intraoralscan beider Kiefer, im eigenen Labor tiefgezogener Aligner und Planungssoftware mit Ausgangs- und geplanter Endstellung
Vom Scan zur Schiene. A und B: Intraoralscan bei Behandlungsbeginn. C: im eigenen Labor tiefgezogener Aligner. D: virtuelle Planung, Ausgangsstellung. E: geplante Endstellung mit überstelltem Zahn 12.Quelle: Fachpublikation (Dentista 2020, Abb. 2a–b, 3a–d, 4)

Das Ergebnis

Nach 22 Wochen und insgesamt 22 Alignern stand Zahn 12 wieder vor seinem Gegenzahn. Die Frontzähne standen anschließend in einer funktionell gesunden Beziehung zueinander. Eine feste Spange war dafür nicht nötig. Auch der Oberkiefer war geweitet, und die verdrehten Backenzähne standen gerade.

Intraorale Aufnahmen vor und nach der Aligner-Frühbehandlung: Zahn 12 zu Beginn im Kreuzbiss, nach 22 Wochen überstellt
Ausgangssituation mit Zahn 12 im Kreuzbiss und Situation nach 22 Wochen Behandlung.Quelle: Fachpublikation (Dentista 2020, Abb. 1a–d und 5a–d). Anonymisierte Darstellung einer realen, von unserer Praxis fachlich publizierten Behandlung.

Für welche Kinder eine Aligner-Frühbehandlung infrage kommt

Wichtiger als das Alter ist die Frage, ob Ihr Kind die Schienen fast den ganzen Tag trägt und selbst wechselt. Im beschriebenen Fall hat eine Achtjährige das über 22 Wochen geschafft. Nicht jede Fehlstellung im Wechselgebiss lässt sich mit Alignern lösen; manchmal passen eine lose Zahnspange oder eine andere Apparatur besser. Das klären wir nach der Untersuchung in der Erstberatung und zeigen Ihnen die Möglichkeiten nebeneinander.

Nach Buchung des Erstberatungstermins erhalten Sie per SMS oder E-Mail den Link zu unserer digitalen Anamnese „Nelly“; so können Sie die Fragen zur Vorgeschichte Ihres Kindes in Ruhe zu Hause beantworten.

Nach der Frühbehandlung: Danach folgt meist eine Pause, bis der Zahnwechsel weit genug fortgeschritten ist. In dieser Zeit sehen wir Ihr Kind zu Kontrollterminen und prüfen, ob das Ergebnis hält und ob später noch eine zweite Behandlungsphase nötig ist.

Was kostet eine Aligner-Behandlung bei Kindern?

Aligner sind eine private Leistung; die gesetzliche Krankenkasse übernimmt sie nicht. Bei Kindern und Jugendlichen mit KIG 3 bis 5 bleibt die Regelversorgung mit fester Zahnspange die Kassenleistung. Entscheidet sich die Familie stattdessen für Aligner, ist die Behandlung eine Privatleistung – die Kasse beteiligt sich daran nicht. Die Kosten können Sie bei uns bis zu 18 Monate zinsfrei in Raten zahlen, direkt über die Praxis. Ob gesetzlich oder privat versichert: Diagnostik, Beratung und Betreuung sind bei uns für alle Patientinnen und Patienten gleich. Mehr dazu auf unserer Seite Kosten & Kasse.

Was dieser Fall zeigt

Eine Aligner-Frühbehandlung kann Kindern eine komfortable Alternative zu festen Geräten bieten5 – vorausgesetzt, die Behandlung wird sorgfältig geplant und das Kind trägt die Schienen zuverlässig. Mehr zur Behandlung mit durchsichtigen Schienen (Aligner) erfahren Sie auf unserer Kompetenzseite, mehr zur kindgerechten Behandlung im Bereich Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche. Hintergründe zum Thema Kreuzbiss lesen Sie außerdem in unserem Beitrag Kreuzbiss erkennen und behandeln. Einen elterngerechten Überblick bietet zudem unser Beitrag Kann mein Kind schon eine durchsichtige Zahnspange bekommen? Wie eine solche Behandlung im Alltag abläuft, zeigt unser Behandlungsbeispiel: Aligner-Behandlung bei einem Kind.

Literatur
  • Abbate, G. M., Caria, M. P., Montanari, P., Mannu, C., Orrù, G., Caprioglio, A., & Levrini, L. (2015). Periodontal health in teenagers treated with removable aligners and fixed orthodontic appliances. Journal of Orofacial Orthopedics, 76(3), 240–250. doi:10.1007/s00056-015-0285-5
  • Elkholy, F., & Lapatki, B. (2018). Recommendation of a novel film-thickness sequence, 0.4, 0.5 and 0.75 mm, for aligner systems. Journal of Aligner Orthodontics, 2(4), 295–304.
  • Schupp, W., & Haubrich, J. (Hrsg.). (2015). Aligner Orthodontics. Quintessenz.
  • Krey, K., et al. (2019). Complete digital in-office workflow for aligner treatment with a fused filament fabrication (FFF) 3D printer: Technical considerations and report of cases. Journal of Aligner Orthodontics, 3(3), 195–204.
  • Azaripour, A., Weusmann, J., Mahmoodi, B., Peppas, D., Gerhold-Ay, A., Van Noorden, C. J. F., & Willershausen, B. (2015). Braces versus Invisalign®: Gingival parameters and patients’ satisfaction during treatment – a cross-sectional study. BMC Oral Health, 15, Artikel 69. doi:10.1186/s12903-015-0060-4
  • Gao, L., & Wichelhaus, A. (2017). Forces and moments delivered by the PET-G aligner to a maxillary central incisor for palatal tipping and intrusion. The Angle Orthodontist, 87(4), 534–541. doi:10.2319/090216-666.1

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Autoren: Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke), Dr. Julia Haubrich, Dr. Werner Schupp

Quelle: Dentista 2020; 01: 16–18.

Der Fachbeitrag gibt den wissenschaftlichen Stand zum Erscheinungszeitpunkt (2020) wieder.

Dr. Julia Steinmaier · Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · ORCID 0000-0002-2054-8992 · Google Scholar

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