Fachpublikation

Aligner-Orthodontie bei Kindern

Autoren: Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke), Dr. Julia Haubrich, Dr. Werner Schupp

Durchsichtige Schienen auch für Kinder – eine moderne Frühbehandlung

Durchsichtige Schienen (Aligner) gelten oft als Behandlung für Erwachsene. Tatsächlich können sie aber auch in der Frühbehandlung von Kindern eine komfortable Alternative zu festen Spangen oder Kunststoffplatten sein. Die zugrunde liegende Fachpublikation unserer Praxis zeigt das anhand eines realen Falls und beschreibt die fachlichen Hintergründe der Aligner-Behandlung im Kindesalter. Im Folgenden erklären wir die wichtigsten Punkte verständlich.

Warum Aligner auch für Kinder?

Aligner waren anfangs vor allem bei Erwachsenen beliebt, weil ihr Erfolg von der guten Mitarbeit abhängt – die Schienen wirken nur, wenn sie konsequent getragen werden. Inzwischen zeigt die Erfahrung jedoch, dass auch viele Kinder gut mit Alignern zurechtkommen. Für die Kleinen bedeutet das: eine nahezu unsichtbare, herausnehmbare und angenehm zu tragende Behandlung statt einer festen Spange. Zum Essen und Zähneputzen werden die Schienen einfach herausgenommen – das erleichtert die Mundhygiene erheblich.

Ein cleverer Vorteil im Detail

Bei einem Kreuzbiss müssen die Zahnreihen beim Korrigieren oft kurzzeitig „entkoppelt“ werden. Bei festen Apparaturen braucht es dafür zusätzliche Aufbisse. Aligner lösen das eleganter: Allein durch ihre Materialstärke auf den Kauflächen sperren sie den Biss leicht – zusätzliche Aufbisse sind nicht nötig.

Ein Behandlungsbeispiel

Die Ausgangssituation

Ein achtjähriges Mädchen stellte sich in unserer Praxis vor. Ein vorderer Zahn stand im Kreuzbiss (verkehrt herum zum Gegenzahn), der Oberkiefer war zu schmal und zwei hintere Backenzähne waren verdreht. Damit lag eine klare Indikation für eine Frühbehandlung vor – also eine gezielte Korrektur schon im Wechselgebiss.

Der Behandlungsverlauf

Auf einzelne Zähne wurden kleine, zahnfarbene Halteelemente (Attachments) geklebt, um die Kräfte der Schienen optimal zu übertragen. Nach einem digitalen Scan wurde die Behandlung am Computer geplant und die Schienen im eigenen Labor hergestellt. Das Mädchen trug jede Schiene etwa eine Woche lang rund 22 Stunden am Tag und wechselte sie dann selbstständig zur nächsten.

Das Ergebnis

Der vordere Kreuzbiss war überstellt, der Oberkiefer geweitet und die verdrehten Zähne gerade – nach einer Gesamtbehandlungszeit von rund 22 Wochen, ganz ohne feste Spange. Die Frontzähne standen anschließend in einer funktionell gesunden Beziehung zueinander.

Was dieser Fall zeigt

Eine Aligner-Frühbehandlung kann Kindern eine komfortable Alternative zu festen Geräten bieten – vorausgesetzt, die Behandlung wird sorgfältig geplant und das Kind trägt die Schienen zuverlässig. Mehr zur Behandlung mit durchsichtigen Schienen (Aligner) erfahren Sie auf unserer Kompetenzseite, mehr zur kindgerechten Behandlung im Bereich Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche. Hintergründe zum Thema Kreuzbiss lesen Sie außerdem in unserem Beitrag Kreuzbiss erkennen und behandeln. Einen elterngerechten Überblick bietet zudem unser Beitrag Kann mein Kind schon eine durchsichtige Zahnspange bekommen?

Quelle: Funke J, Haubrich J, Schupp W. Aligner-Orthodontie bei Kindern. Dentista 2020; 01: 16–18.