Lexikon

Fachbegriffe rund um Zahn- und Kieferorthopädie – wissenschaftlich fundiert und verständlich erklärt. Suchen Sie einen Begriff oder filtern Sie nach Anfangsbuchstabe.

99 Begriffe
Aktivator
Herausnehmbares funktionskieferorthopädisches Gerät, das das Kieferwachstum von Kindern lenkt (z. B. bei Rückbiss).
Aligner
Durchsichtige, herausnehmbare Kunststoffschienen, die die Zähne in kleinen Schritten begradigen (z. B. Invisalign).
Angle-Klassen (I, II, III)
Einteilung der Bisslage nach der Stellung der ersten bleibenden Backenzähne: Klasse I = neutral, II = Rückbiss, III = Vorbiss.
Ankylose
Verwachsung einer Zahnwurzel mit dem Kieferknochen – der betroffene Zahn lässt sich dann nicht mehr bewegen.
Approximale Schmelzreduktion (ASR/IPR)
Minimales Glätten der Zahnzwischenräume, um etwas Platz für die Zahnbewegung zu schaffen.
Approximalkaries
Karies in den Zahnzwischenräumen, dort, wo die Zahnbürste schlechter hinkommt.
Artikulator
Gerät, das die Kieferbewegungen nachbildet, um Biss und Schienen exakt einzustellen.
Attachment
Kleiner zahnfarbener Kunststoffaufsatz, der Alignern besseren Halt und Angriffspunkt für die Bewegung gibt.
Aufbissschiene
Schiene, die die Zähne vor nächtlichem Knirschen schützt und die Kaumuskulatur entlastet.
Axiographie
Aufzeichnung der Kiefergelenkbewegungen zur Funktionsdiagnostik bei Kiefergelenkbeschwerden.
Bionator
Herausnehmbares Funktionsgerät zur Wachstumslenkung im Wechselgebiss.
Bissregistrat
Aufzeichnung der Bisslage, um Ober- und Unterkiefer einander korrekt zuzuordnen.
Bracket
Kleines Plättchen, das bei der festen Zahnspange auf den Zahn geklebt wird und den Draht führt.
Bruxismus
Unbewusstes Knirschen oder Pressen der Zähne, häufig nachts im Schlaf.
CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion)
Funktionsstörung im Zusammenspiel von Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Zähnen; kann Schmerzen, Knacken und Verspannungen verursachen.
CPAP
Atemtherapiegerät mit Maske – Standardtherapie bei mittlerer bis schwerer Schlafapnoe.
Daumenlutschen
Lutschgewohnheit, die bei längerem Bestehen Zahn- und Kieferfehlstellungen (z. B. offenen Biss) begünstigen kann.
Deckbiss
Ausgeprägter Tiefbiss, bei dem die oberen Frontzähne die unteren stark überdecken und nach hinten gekippt sind.
Dehnplatte
Herausnehmbare Apparatur, die einen zu schmalen Kiefer behutsam in die Breite weitet.
Diastema
Lücke zwischen zwei Zähnen, typischerweise zwischen den oberen mittleren Schneidezähnen.
Diskus (Gelenkscheibe)
Kleine Knorpelscheibe im Kiefergelenk, die als Puffer zwischen den Gelenkflächen dient.
Diskusverlagerung
Verschiebung der Gelenkscheibe im Kiefergelenk – eine häufige Ursache von Knacken oder eingeschränkter Mundöffnung.
Distalbiss (Rückbiss)
Der Unterkiefer steht zu weit hinten, die oberen Frontzähne stehen vor (Angle-Klasse II).
DMD-Vermessung
Instrumentelle, digitale Aufzeichnung der Unterkieferbewegungen für eine präzise Funktionsdiagnostik.
DVT (Digitale Volumentomographie)
Dreidimensionales Röntgenverfahren mit vergleichsweise geringer Strahlendosis für eine präzise Diagnostik.
Engstand
Platzmangel im Kiefer, wodurch Zähne schief oder verschachtelt stehen.
Eruption (Zahndurchbruch)
Das Durchbrechen eines Zahns durch das Zahnfleisch.
Fernröntgenseitenbild (FRS)
Seitliches Röntgenbild des Schädels zur Vermessung der Kiefer- und Zahnlagen (Grundlage der Kephalometrie).
Frenektomie
Kleiner Eingriff zur Korrektur eines störenden Lippen- oder Zungenbändchens.
Frühbehandlung
Kieferorthopädische Behandlung bereits im Milch- oder Wechselgebiss, um das Wachstum gezielt zu lenken.
Funktionsanalyse
Untersuchung von Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Biss, um die Ursache von Beschwerden (z. B. CMD) zu finden.
Funktionskieferorthopädie (FKO)
Behandlung mit herausnehmbaren Geräten, die das Kieferwachstum gezielt nutzen.
Funktionsschiene
Individuell eingestellte Schiene, die bei einer CMD den Unterkiefer in eine günstige Position führt – mehr als reiner Zahnschutz.
Gaumenbügel (Transpalatinalbogen)
Drahtbogen am Gaumen, der die oberen Backenzähne verankert oder gezielt bewegt.
Gaumennahterweiterung (GNE)
Verfahren, das einen zu schmalen Oberkiefer an der Gaumennaht verbreitert und so Platz schafft.
Gesichtsbogen
Hilfsmittel, das die Lage des Oberkiefers in den Artikulator überträgt.
Gingivitis
Entzündung des Zahnfleischs, meist durch Plaque – die Vorstufe der Parodontitis.
Gummizüge (Elastics)
Kleine Gummibänder, die zwischen Ober- und Unterkiefer Kräfte übertragen.
Headgear (Außenspange)
Apparatur mit Außenbogen zur Wachstumslenkung oder zusätzlichen Verankerung.
Herbst-Apparatur
Festsitzendes Gerät, das den Unterkiefer bei Rückbiss nach vorne führt.
Hyperdontie
Anlage überzähliger Zähne über das normale Gebiss hinaus.
Hypodontie (Nichtanlage)
Ein oder mehrere Zähne sind von Geburt an nicht angelegt.
Interdentalbürste
Kleine Bürste zur Reinigung der Zahnzwischenräume und rund um Brackets.
Interzeptive Kieferorthopädie
Frühe Maßnahmen, die eine sich anbahnende Fehlstellung abfangen, bevor sie sich verfestigt.
Intraoralscanner
Gerät, das den Mund digital und ohne klassische Abdruckmasse in 3D abscannt.
Kephalometrie
Vermessung von Schädel- und Kieferstrukturen anhand des Fernröntgenbildes.
Keramikbracket
Zahnfarbenes, weniger sichtbares Bracket aus Keramik.
Kiefergelenk
Gelenk, das den Unterkiefer mit dem Schädel verbindet und Öffnen, Schließen und Kauen ermöglicht.
KIG (Kieferorthopädische Indikationsgruppen)
Einstufung (KIG 1–5), die festlegt, ob die gesetzliche Krankenkasse die Behandlung übernimmt (i. d. R. ab KIG 3).
Knirscherschiene
Schiene, die vor allem die Zähne vor den Folgen des nächtlichen Knirschens schützt.
Kreuzbiss
Fehlstellung, bei der untere Zähne seitlich oder vorne über die oberen beißen.
Ligatur
Befestigung, die den Drahtbogen am Bracket hält (z. B. Gummiring oder feiner Draht).
Lingualtechnik
Feste Zahnspange, die innen (zur Zunge hin) auf den Zähnen sitzt und dadurch von außen unsichtbar ist.
Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG)
Angeborene Spaltbildung von Lippe, Kiefer und/oder Gaumen, die interdisziplinär behandelt wird.
Lose Zahnspange
Herausnehmbare Apparatur, vor allem bei Kindern zur Wachstumslenkung.
Lückenhalter
Platzhalter nach frühem Milchzahnverlust, damit der bleibende Zahn genügend Raum behält.
Lückenstand
Größere Abstände zwischen den Zähnen, etwa durch zu viel Platz im Kiefer.
Mesialbiss (Vorbiss)
Der Unterkiefer bzw. die untere Zahnreihe steht vor den oberen Zähnen (Angle-Klasse III).
Milchgebiss
Das erste Gebiss mit 20 Milchzähnen, das ab etwa dem 6. Lebensjahr durch bleibende Zähne ersetzt wird.
Modellanalyse
Vermessung von Gebissmodellen, um Platzverhältnisse und Zahnbreiten zu beurteilen.
Multiband / feste Zahnspange
Fest verklebte Brackets mit Draht, die Zähne sehr präzise und auch bei komplexen Fehlstellungen bewegen.
Mundatmung
Dauerhaftes Atmen durch den Mund; kann die Entwicklung von Kiefer und Zähnen ungünstig beeinflussen.
Myofunktionelle Therapie
Übungsbehandlung für Zunge, Lippen und Mundmuskulatur, oft begleitend zur kieferorthopädischen Therapie.
Neutralbiss
Regelrechte Bisslage, bei der Ober- und Unterkieferzähne korrekt ineinandergreifen (Angle-Klasse I).
Offener Biss
Beim Zusammenbeißen berühren sich die Front- (oder Seiten-)zähne nicht, es bleibt eine Lücke.
Okklusion
Die Art und Weise, wie die Zähne von Ober- und Unterkiefer aufeinandertreffen.
Orthopantomogramm (OPG)
Panorama-Röntgenaufnahme, die alle Zähne und beide Kiefer auf einem Bild zeigt.
Overbite (vertikale Stufe)
Wie weit die oberen Schneidezähne die unteren in der Senkrechten überdecken.
Overjet (sagittale Stufe)
Horizontaler Abstand zwischen oberen und unteren Schneidezähnen.
Parodont (Zahnhalteapparat)
Das Gewebe, das den Zahn im Knochen verankert: Zahnfleisch, Wurzelhaut und Kieferknochen.
Parodontitis
Entzündlicher Abbau des Zahnhalteapparats; sollte vor einer kieferorthopädischen Behandlung stabil sein.
Plaque (Zahnbelag)
Weicher bakterieller Belag auf den Zähnen – Hauptursache von Karies und Zahnfleischentzündung.
Progenie
Echtes Vorstehen des Unterkiefers (skelettale Klasse III), umgangssprachlich „Vorbiss“.
Prognathie / Retrognathie
Vor- bzw. Rücklage eines Kiefers gegenüber dem Gesichtsschädel.
Protrusion
Vorverlagerung von Zähnen oder des Unterkiefers nach vorne.
Protrusionsschiene
Schiene, die den Unterkiefer leicht nach vorne hält, um die Atemwege offen zu halten (gegen Schnarchen/Schlafapnoe).
Quadhelix
Festsitzende Apparatur, die einen schmalen Oberkiefer behutsam dehnt – häufig beim Kreuzbiss.
Retainer
Dünner Draht oder dünne Schiene, der die Zähne nach der Behandlung dauerhaft in Position hält.
Retention
Stabilisierungsphase nach der aktiven Behandlung, um ein Zurückwandern der Zähne zu verhindern.
Retrusion
Rückneigung von Frontzähnen.
Rezidiv
Rückfall der Zähne in die alte Fehlstellung, meist bei unzureichender Retention.
Schlafapnoe (obstruktiv)
Nächtliche Atemaussetzer durch eine Verengung der oberen Atemwege im Schlaf.
Schmalkiefer
Ein zu schmaler Oberkiefer, häufig verbunden mit Kreuzbiss und Platzmangel.
Schnarchschiene
Individuell angefertigte Schiene, die durch leichte Vorverlagerung des Unterkiefers das Schnarchen reduziert.
Selbstligierendes Bracket
Bracket mit eingebautem Clip, das den Bogen ohne Gummi oder Draht hält.
Separieren
Schaffen von etwas Platz zwischen Zähnen (z. B. mit Separiergummis), bevor Bänder gesetzt werden.
Setup
Behandlungsplanung am (digitalen) Modell, die das angestrebte Ergebnis sichtbar macht.
Sportmundschutz
Individuell angefertigter Schutz, der Zähne und Kiefer beim Sport vor Verletzungen schützt.
TADs (Mini-Implantate)
Kleine Schräubchen im Kieferknochen, die als zusätzliche, stabile Verankerung dienen.
Tiefbiss
Die oberen Frontzähne überdecken die unteren beim Zusammenbeißen ungewöhnlich stark.
Tinnitus
Ohrgeräusch, das bei einer CMD begleitend auftreten kann.
Verlagerter / retinierter Zahn
Zahn, der nicht regulär durchbricht und im Kiefer liegen bleibt – häufig der Eckzahn.
Wachstumslenkung
Gezielte Beeinflussung des Kieferwachstums im Kindes- und Jugendalter.
Wechselgebiss
Phase, in der Milchzähne nach und nach durch bleibende Zähne ersetzt werden (ca. 6.–12. Lebensjahr).
Weisheitszähne
Die hintersten Backenzähne; sie brechen oft spät, unvollständig oder gar nicht durch.
White Spots
Kreidig-weiße Entkalkungen des Zahnschmelzes – eine frühe Kariesvorstufe und ein Risiko bei fester Zahnspange.
Wurzelresorption
Abbau von Zahnwurzelsubstanz, der selten als Nebenwirkung von Zahnbewegungen auftreten kann.
Zahnfehlstellung
Abweichung einzelner Zähne oder der Kiefer von ihrer idealen Position.
Zungenpressen
Anpressen der Zunge gegen oder zwischen die Zähne beim Schlucken; kann Fehlstellungen fördern.