Anonymisierte Darstellung einer realen, von unserer Praxis fachlich publizierten Behandlung.
Die Ausgangssituation
Eine 48-jährige Patientin kam zu uns mit einem oberen linken Backenzahn (Zahn 26), der nicht mehr erhalten werden konnte. Die Situation war anspruchsvoller als eine einfache Lücke: Zusätzlich standen die Frontzähne in Ober- und Unterkiefer zu weit vor und etwas gedrängt, der Biss schloss im Frontbereich nicht richtig (frontoffener Biss), und der Oberkiefer war im Seitenbereich zu schmal.
Die klassische Empfehlung für die Lücke wäre ein Implantat gewesen. Weil die Patientin im Oberkiefer aber noch einen Weisheitszahn hatte, der nachrücken konnte, wünschte sie sich ausdrücklich einen kieferorthopädischen Lückenschluss – im Rahmen einer Behandlung mit durchsichtigen Schienen.
Inhaltsverzeichnis
Über die Autorin
Dr. Julia Steinmaier
Fachzahnärztin für Kieferorthopädie
Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.
Die Behandlungsplanung
Zu Beginn wurde das Gebiss mit einem Intraoralscanner digital erfasst und die Schienentherapie am Computer geplant. Um im Unterkiefer Platz für die Korrektur der vorstehenden Front zu schaffen, wurde dort ein Frontzahn entfernt. Im Bereich des fehlenden Zahnes 26 war der typische Knochenrückgang nach Zahnverlust bereits sichtbar – genau hier sollte durch das Nachbewegen der eigenen Zähne neuer Knochen entstehen.
Für den stabilen Halt der Zahnbewegung wurde eine skelettale Verankerung im Gaumen geplant. Wegen des hohen und ungleichmäßig verteilten Kraftbedarfs wurden nicht nur zwei, sondern insgesamt drei kleine Mini-Implantate gesetzt (eine besonders stabile, dreifach abgestützte Konstruktion). Die zugehörige Apparatur – der Mesialslider – wurde digital konstruiert und im Labor passgenau gefertigt.
Der Eingriff in einer Sitzung
Mini-Implantate und Mesialslider wurden in einem einzigen Termin eingesetzt. Nach örtlicher Betäubung wurde die vorgefertigte Apparatur mithilfe einer passgenauen Positionierhilfe exakt platziert und an den Backenzähnen befestigt; anschließend wurden die Mini-Implantate gesetzt. Für die Patientin bedeutete das: keine klassischen Abformungen, keine Bänder, kein separates Aufdehnen der Zähne – ein deutlicher Komfortgewinn gegenüber dem früheren Vorgehen.
Die eigentliche Zahnbewegung übernahmen feine Zugfedern an der Apparatur, während die durchsichtigen Schienen die übrige Korrektur begleiteten. Apparatur und Schienen waren so aufeinander abgestimmt, dass sie parallel arbeiten konnten.
Das Ergebnis
Wie bei jeder körperlichen Zahnbewegung im Erwachsenenalter brauchte der Prozess Geduld. Nach etwa zwei Jahren war die Lücke im Bereich des Zahnes 26 vollständig geschlossen – die eigene Zahnreihe hatte den fehlenden Zahn ersetzt. In der Schlussphase wurde die Apparatur in die abschließende Feinabstimmung des Bisses einbezogen. Nach insgesamt rund zweieinhalb Jahren war die Behandlung erfolgreich abgeschlossen: eine geschlossene, funktionierende Zahnreihe aus eigenen Zähnen – ohne Implantat.
Warum wir diesen Fall zeigen
Solche kombinierten Behandlungen aus skelettaler Verankerung und Aligner-Therapie erfordern Spezialwissen und werden von vielen Praxen an die feste Zahnspange abgegeben oder gar nicht angeboten. Unsere Praxisinhaberin Dr. Julia Steinmaier hat zu genau dieser Technik gemeinsam mit Hochschulexpertinnen und -experten wissenschaftlich publiziert (Sie finden den Fachbeitrag in unserem Bereich Fachpublikationen). Für Sie bedeutet das: Auch anspruchsvolle Ausgangssituationen lassen sich in vielen Fällen mit modernen, schonenden Methoden lösen.
Jeder Fall ist individuell – ob sich Ihre Situation für einen solchen Behandlungsweg eignet, klären wir gern in einem persönlichen Beratungsgespräch.
Häufig gestellte Fragen zum Lückenschluss mit Alignern
Kann eine Zahnlücke ohne Implantat geschlossen werden?
In vielen Fällen ja. Statt die Lücke mit einem Implantat oder einer Brücke zu versorgen, können die vorhandenen Zähne kieferorthopädisch so verschoben werden, dass sich die Lücke auf natürliche Weise schließt. Ob das möglich ist, hängt von Lückengröße, Bisslage und dem Zustand der Nachbarzähne ab.
Für wen eignet sich ein kieferorthopädischer Lückenschluss?
Geeignet ist er häufig, wenn ohnehin eine Zahnfehlstellung korrigiert werden soll. Voraussetzung sind gesunde Nachbarzähne sowie geeignete Platz- und Knochenverhältnisse.
Wie lange dauert ein Lückenschluss mit Alignern?
Die Dauer richtet sich nach Größe und Lage der Lücke und liegt meist im Bereich mehrerer Monate bis etwa eineinhalb Jahre. Den genauen Zeitrahmen legen wir nach der digitalen Behandlungsplanung fest.
Ist das Ergebnis stabil – muss ich einen Retainer tragen?
Ja, nach dem Lückenschluss ist eine Stabilisierung wichtig, damit sich die Zähne nicht zurückbewegen. Dafür kommt ein Retainer zum Einsatz. Bei konsequenter Retention bleibt das Ergebnis dauerhaft stabil.
Lückenschluss oder Implantat – was ist besser?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Ein kieferorthopädischer Lückenschluss vermeidet einen chirurgischen Eingriff und erhält körpereigene Substanz; ein Implantat kann sinnvoller sein, wenn ein Lückenschluss die Bisslage verschlechtern würde. Welche Lösung geeignet ist, klären wir gemeinsam.