Fehlt im Oberkiefer ein Zahn, kann die Lücke statt mit einem Implantat auch durch gezieltes Verschieben der Nachbarzähne geschlossen werden. Der Beitrag zeigt, wie ein Mesialslider zusammen mit Alignern das im Seitenzahnbereich leistet.
Skelettal verankerter Mesialslider in Kombination mit Alignern zum Lückenschluss im Seitenzahngebiet.
Zahnlücke schließen ohne Implantat – wann die eigene Zahnreihe die Lücke übernimmt
Wenn ein Backenzahn fehlt oder nicht erhalten werden kann, stellt sich die Frage, wie die entstandene Lücke langfristig versorgt wird. Die bekanntesten Wege sind ein Implantat oder eine Brücke – beide füllen die Lücke mit künstlichem Zahnersatz. Es gibt jedoch eine dritte Möglichkeit, die seltener genannt wird, weil sie kieferorthopädisches Spezialwissen verlangt: den orthodontischen Lückenschluss. Dabei wird die Lücke nicht gefüllt, sondern die eigenen Zähne werden kontrolliert nachbewegt, bis sie geschlossen ist.
Der entscheidende Vorteil: Die Zähne „nehmen ihren Knochen mit“
Fehlt ein Zahn über längere Zeit, bildet sich der Kieferknochen an dieser Stelle zurück. Das Besondere am Lückenschluss: Wenn ein eigener Zahn in die Lücke bewegt wird, entsteht im Bereich der Bewegung neuer Knochen – der Knochen wandert gewissermaßen mit. So lässt sich ein bereits eingetretener Knochenrückgang sogar ausgleichen, ganz ohne Fremdmaterial im Kiefer. Bei Implantat oder Brücke ist das nicht der Fall.
Ein zweiter, oft unterschätzter Effekt: Ist ein Weisheitszahn vorhanden, kann dieser nach dem Nachrücken der vorderen Backenzähne ebenfalls mitwandern und findet so seinen Platz in der Zahnreihe.
Warum der Lückenschluss so hohe Anforderungen stellt
Zähne lassen sich nicht isoliert verschieben – jede Kraft wirkt auch zurück auf die Zähne, die als Gegenhalt dienen. Um einen Backenzahn gezielt und körperlich nach vorne zu bewegen, braucht es einen außergewöhnlich stabilen Ankerpunkt. Traditionell wurden dafür Gummizüge zwischen Ober- und Unterkiefer verwendet. Diese haben zwei Nachteile: Ihr Erfolg hängt stark davon ab, wie zuverlässig sie getragen werden – und sie ziehen die Unterkieferzähne unerwünscht nach hinten.
Die moderne Lösung: skelettale Verankerung am Gaumen
Statt sich auf die Nachbarzähne oder Gummizüge zu verlassen, nutzt die moderne Kieferorthopädie einen festen Ankerpunkt im Knochen: kleine Mini-Implantate, die vorübergehend im vorderen Gaumen gesetzt werden. An diesen wird eine spezielle Apparatur befestigt, der sogenannte Mesialslider. Er sorgt für stabilen Halt und führt den Zahn körperlich kontrolliert in die richtige Position. Dank digitaler Planung und im Labor vorgefertigter Apparatur können Mini-Implantate und Mesialslider in einer einzigen Sitzung eingesetzt werden – ohne klassische Abformungen, ohne Bänder, ohne Separieren der Zähne.
Wie sich diese Technik in einem besonders anspruchsvollen Fall mit mehreren gleichzeitigen Fehlstellungen einsetzen lässt, zeigt unser Beitrag zu komplexen Fällen mit Alignern und skelettaler Verankerung.
Geht das auch mit Invisalign bzw. durchsichtigen Schienen?
Durchsichtige Schienen (Aligner) sind beliebt, weil sie nahezu unsichtbar, herausnehmbar und hygienisch sind – und weil das Risiko für Entkalkungsflecken geringer ist als bei festen Zahnspangen. Eine ehrliche Einordnung gehört aber dazu: Das körperliche Vorschieben eines Backenzahns über eine größere Strecke ist mit Alignern allein nicht zuverlässig möglich. Genau deshalb ist die Kombination so wirkungsvoll – die skelettal verankerte Apparatur übernimmt die anspruchsvolle Zahnbewegung, während die Aligner die übrige Korrektur harmonisch begleiten. So lassen sich auch Fälle lösen, die sonst eine feste Zahnspange erfordern würden.
Ist der Lückenschluss für mich geeignet?
Ob Lückenschluss, Implantat oder Brücke die richtige Wahl ist, hängt von vielen individuellen Faktoren ab: von der Lage und Größe der Lücke, dem Zustand der Nachbarzähne, einem eventuell vorhandenen Weisheitszahn, der Form des Kiefers und Ihren persönlichen Zielen. Es gibt keine pauschal „beste“ Lösung. In geeigneten Fällen ist der kieferorthopädische Lückenschluss aber eine besonders schonende Möglichkeit, weil er ohne künstlichen Zahnersatz auskommt und körpereigenen Knochen aufbaut. Am Anfang steht deshalb immer eine genaue, heute meist digitale Diagnostik. In unserer Fachpraxis in Köln planen wir solche Behandlungen am Computer und besprechen mit Ihnen offen, welche Wege in Ihrer Situation realistisch und sinnvoll sind.
Wie dieser Behandlungsweg in der Praxis aussieht, zeigt unser Behandlungsbeispiel: Lückenschluss mit Aligner statt Implantat.
Den vollständigen wissenschaftlichen Fachbeitrag finden Sie als PDF oben auf dieser Seite.
Ihr Kieferorthopäde Köln!
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Autoren: Prof. Dr. Benedict Wilmes, Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke), Dr. Werner Schupp, Dr. Julia Haubrich, Prof. Dr. Dieter Drescher