Behandlungsbeispiel: Engstände mit Alignern korrigiert – dieser Fall dauerte 7 Monate

01.06.2026Dr. Julia Steinmaierca. 5 Min. Lesezeit

Anonymisierte Darstellung einer realen, von unserer Praxis fachlich publizierten Behandlung. Jeder Befund ist anders: Behandlungsweg, Dauer und Ergebnis dieses Einzelfalls lassen sich nicht auf andere Patientinnen und Patienten übertragen.

Enge, verschachtelte Zähne lassen sich mit durchsichtigen Schienen korrigieren, die im Alltag kaum auffallen. Im folgenden Fall aus unserer Praxis haben wir die Zahnbögen einer erwachsenen Patientin mit Alignern aus unserem eigenen Labor ausgeformt; die Behandlung dauerte 28 Wochen. Wie lange eine Aligner-Behandlung dauert, ist von Fall zu Fall verschieden. Was diesen Fall ausmacht, beschreiben wir unten. Einen Überblick über alle Behandlungswege gibt unsere Seite Kieferorthopädie für Erwachsene in Köln.

Die Ausgangssituation

Eine 36-jährige Patientin kam mit dem Wunsch nach einem schöneren, gleichmäßigeren Lächeln zu uns. Beide Zahnbögen waren in der Breite deutlich zu schmal, die Zähne standen im Ober- und Unterkiefer eng, einzelne Zähne waren gedreht. Die Backenzähne griffen richtig ineinander (Klasse-I-Verzahnung), eine Korrektur der Bisslage war also nicht nötig. Als Kind war die Patientin bereits kieferorthopädisch behandelt worden; dabei waren die ersten kleinen Backenzähne entfernt worden. Weil das Zahnfleisch zu Beginn entzündet war, haben wir sie an eine Parodontologin überwiesen, die sie während und nach der Behandlung begleitet hat. Eine sichtbare Zahnspange kam für sie nicht infrage.

Intraorale Fotos: Frontalansicht und Aufsicht auf den Oberkiefer, links mit engstehenden und gedrehten Zähnen zu Behandlungsbeginn, rechts nach 28 Wochen mit ausgeformtem Zahnbogen
Oben die Frontalansicht, unten der Oberkiefer von unten gesehen; links die Ausgangssituation, rechts nach 28 Wochen Aligner-Behandlung.Quelle: Fachpublikation (Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 2020, Abb. 12 und 15)

Die Behandlung

Die Aligner wurden vollständig in unserer Praxis geplant und gefertigt. Grundlage war ein Intraoralscan. Daraus hat die Kieferorthopädin am Computer das Behandlungsziel festgelegt und die Zahnbewegung in 14 Schritte aufgeteilt; diesen Schritt geben wir nicht an einen externen Dienstleister ab. Für jeden Schritt stellte unser Labor zwei Schienen her, eine dünnere (0,5 mm) und eine festere (0,75 mm). So wirkt auf die Zähne zuerst eine sanftere, dann eine stärkere Kraft.

Die Patientin wechselte die Schiene jede Woche, bei 28 Schienen ergab das 28 Wochen. Kleine zahnfarbene Erhebungen auf den Zähnen (Attachments) gaben den Schienen Halt für die geplanten Bewegungen. An wenigen Stellen haben wir den Zahnschmelz zwischen den Zähnen minimal geglättet, um Platz zu schaffen. Feine Gummizüge, die die Patientin nachts und stundenweise am Tag trug, verbesserten das Ineinandergreifen der Zähne.

Planungssoftware mit dem gescannten Gebiss der Patientin zu Behandlungsbeginn und dem virtuell geplanten Behandlungsziel
Links der Scan zu Behandlungsbeginn mit Attachments, rechts das am Computer geplante Behandlungsziel.Quelle: Fachpublikation (Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 2020, Abb. 14a und b)

Das Ergebnis

Nach 28 Wochen waren beide Zahnbögen in der Breite ausgeformt, die Engstände und Drehungen aufgelöst. Die Backenzähne greifen weiter in Klasse I ineinander, die oberen Schneidezähne überdecken die unteren in normalem Maß. Damit die Zähne nicht zurückwandern, trägt die Patientin nachts eine dünne, durchsichtige Halteschiene (Retainer).

Was dieser Fall zeigt und was nicht

Die 28 Wochen sind die Dauer dieser einen Behandlung. Sie war möglich, weil die Bisslage schon stimmte, genug Platz durch Ausformen und Glätten gewonnen werden konnte und die Patientin die Schienen zuverlässig getragen hat. Muss der Biss verschoben werden, fehlt mehr Platz oder sind Zähne stark gekippt, dauert eine Behandlung länger, manchmal ist eine feste Zahnspange oder eine Kombination sinnvoller. Wie es bei Ihnen aussieht, klären wir nach einer Untersuchung mit Scan.

Eine Aligner-Behandlung ist eine Privatleistung; die gesetzliche Krankenkasse übernimmt sie nicht. Sie können die Kosten bis zu 18 Monate zinsfrei direkt über unsere Praxis in Raten zahlen.

Hintergrund für Interessierte

Wie der digitale Ablauf einer in der Praxis gefertigten Aligner-Behandlung im Detail funktioniert, beschreiben wir in unserer Fachpublikation Der digitale Workflow in der In-Office-Alignertherapie. Mehr über die Behandlung mit durchsichtigen Schienen (Aligner) erfahren Sie auf unserer Kompetenzseite.

Quellen:

  • Schupp, W., Funke, J., & Haubrich, J. (2020). Der digitale Workflow in der In-Office-Alignertherapie. Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie, 52(4), 289–300. doi:10.1055/a-1241-9967
  • Kravitz, N. D., Kusnoto, B., BeGole, E., Obrez, A., & Agran, B. (2009). How well does Invisalign work? A prospective clinical study evaluating the efficacy of tooth movement with Invisalign. American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics, 135(1), 27–35. doi:10.1016/j.ajodo.2007.05.018
  • Rossini, G., Parrini, S., Castroflorio, T., Deregibus, A., & Debernardi, C. L. (2015). Efficacy of clear aligners in controlling orthodontic tooth movement: A systematic review. The Angle Orthodontist, 85(5), 881–889. doi:10.2319/061614-436.1

Häufig gestellte Fragen zu Engständen und Aligner-Behandlung

Wie lange dauert die Korrektur von Engständen mit Alignern?

Im vorgestellten Fall wurden die Engstände in rund sieben Monaten korrigiert. Die tatsächliche Dauer hängt vom Schweregrad des Engstands, der Mitarbeit beim Tragen der Schienen und den individuellen anatomischen Voraussetzungen ab. Eine Einschätzung für Ihren Fall geben wir Ihnen nach der Planung am Scan.

Sind durchsichtige Schienen bei Engständen genauso wirksam wie eine feste Zahnspange?

Bei leichten bis mittleren Engständen sind moderne Aligner eine anerkannte und wirksame Alternative zur festen Zahnspange. Bei sehr ausgeprägten Engständen oder komplexen Bisslagen kann eine feste Apparatur oder eine Kombinationsbehandlung sinnvoller sein. Was im Einzelfall geeignet ist, klären wir nach einer sorgfältigen Diagnostik.

Muss zum Auflösen von Engständen ein Zahn gezogen werden?

Nicht zwangsläufig. In vielen Fällen lässt sich durch eine schonende Verbreiterung der Zahnbögen ausreichend Platz schaffen, ohne dass Zähne entfernt werden müssen. Ob eine Extraktion nötig ist, hängt vom Platzangebot im Kiefer ab und wird vor Behandlungsbeginn individuell geprüft.

Bleibt das Ergebnis nach der Behandlung stabil?

Nach Abschluss der Korrektur ist eine Stabilisierung wichtig, damit die Zähne nicht in ihre alte Position zurückwandern. Dafür kommt ein Retainer (festsitzend oder herausnehmbar) zum Einsatz. Zähne können sich ein Leben lang leicht bewegen; wer den Retainer wie besprochen trägt und kontrollieren lässt, senkt das Risiko eines Rückfalls. Retainer sind in der Regel eine Privatleistung. Bei Kindern und Jugendlichen mit Kassenbehandlung kann die gesetzliche Krankenkasse die Retention bis zu zwei Jahre nach der aktiven Behandlung übernehmen. Ein festsitzender Retainer an den unteren Frontzähnen kann bei ausgeprägtem Engstand (KIG E3/E4) ebenfalls Kassenleistung sein.

Für wen eignet sich eine Aligner-Behandlung bei Engständen?

Infrage kommen vor allem Jugendliche nach dem Zahnwechsel und Erwachsene mit leichten bis mittleren Engständen, die eine unauffällige Behandlung wünschen; auch bei Kindern setzen wir Aligner in bestimmten Situationen ein. Das Zahnfleisch sollte vor Beginn entzündungsfrei sein oder begleitend behandelt werden, wie im Fall oben. Die Schienen müssen etwa 22 Stunden am Tag getragen werden. Ob Aligner für Sie infrage kommen, klären wir in einem persönlichen Beratungsgespräch.

Bild von Dr. Julia Steinmaier
Über die Autorin

Dr. Julia Steinmaier

Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.

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Dr. Julia Steinmaier
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