Fachpublikation

Der digitale Workflow in der In-Office-Aligner­therapie

Auf einen Blick
Für Patient:innen

Aligner lassen sich vollständig in der eigenen Praxis planen und herstellen. Der Beitrag zeigt am realen Fall, welche Vorteile dieser digitale In-Office-Weg für die Behandlung hat.

Für Fachkolleg:innen

Digitaler In-Office-Workflow der Alignertherapie von der Intraoralabformung bis zur Fertigung.

Passende Behandlung in unserer Praxis: Durchsichtige Zahnspange (Aligner)
15.06.2026

Aligner aus der eigenen Praxis: schnell, präzise und aus einer Hand

Durchsichtige Schienen (Aligner) gehören heute zu den beliebtesten Möglichkeiten, Zähne nahezu unsichtbar zu begradigen. Viele Schienen werden von externen Anbietern gefertigt. In unserer Kölner Praxis können wir die Aligner dagegen vollständig im eigenen Labor planen und herstellen – das nennt man In-Office-Behandlung. Der folgende reale Behandlungsfall zeigt, welche Vorteile dieser digitale Weg für unsere Patientinnen und Patienten hat.

Was „In-Office“ bedeutet

In-Office heißt: Vom digitalen Abdruck über die Behandlungsplanung am Computer bis zum fertigen Aligner findet alles in der Praxis statt. Statt eines herkömmlichen Abdrucks mit Abformmasse wird das Gebiss mit einem Intraoralscanner berührungslos in 3D erfasst.2 Auf dieser Grundlage plant der Kieferorthopäde jeden einzelnen Behandlungsschritt selbst und stellt die Schienen anschließend im eigenen Labor her.

Der Vorteil: Planung in erfahrener Hand

Der wichtigste Schritt – die Festlegung des Behandlungsziels und der genaue Bewegungsablauf der Zähne – wird nicht an einen externen Dienstleister oder eine Software ausgelagert, sondern vom behandelnden Kieferorthopäden persönlich vorgenommen.1 So fließen Erfahrung und das Wissen über die Kräfteverhältnisse direkt in die Planung ein. Ein weiterer Pluspunkt: Die Schienen sind schnell verfügbar, was besonders praktisch ist, wenn sich die Behandlung flexibel anpassen muss.

So entsteht ein Aligner in der Praxis: fünf Schritte

Die Publikation gliedert den In-Office-Weg in fünf Stationen. Einige Arbeitsschritte kann ein Zahntechniker oder eine geschulte Fachangestellte übernehmen, die Planung selbst bleibt beim Kieferorthopäden.

  1. Scan und Vorbereitung: Der Intraoralscan wird in die Planungssoftware übernommen, ausgerichtet, repariert und virtuell gesockelt. Anschließend werden Zähne und Zahnfleisch getrennt und für jeden Zahn die Bewegungsachsen festgelegt (Segmentieren).
  2. Virtuelle Behandlungsplanung: Der Kieferorthopäde legt das Behandlungsziel fest (Ziel-Setup), plant Attachments und Druckpunkte und teilt die Bewegung in Einzelschritte auf (Staging). Bei komplexeren Fällen können Zwischenziele eingeplant werden.
  3. 3D-Druck: Für jeden Schritt wird ein Modell gedruckt.6 Die Modellnummer wird spiegelverkehrt auf einen Zahn gesetzt; sie erscheint dann im Aligner, sodass jede Schiene eindeutig zugeordnet ist.
  4. Tiefziehen und Ausarbeiten: Die Folie wird auf das Modell tiefgezogen und etwa 2 bis 3 mm oberhalb des Zahnfleischrands gerade abgeschnitten, nicht girlandenförmig. Das verbessert laut Publikation die Kraftübertragung, ohne den Tragekomfort einzuschränken. Zum Schluss werden die Ränder poliert.
  5. Einsetzen und Kontrolle: Die fertigen Aligner werden eingesetzt, der Verlauf wird bei Kontrollterminen überprüft.

Für das Staging gibt es zwei Wege: entweder ein Aligner je Schritt mit kleineren Bewegungen, oder mehrere Aligner unterschiedlicher Stärke je Schritt. Beim zweiten Weg beginnt die Kraft sanfter und steigt mit der dickeren Folie an. Im Behandlungsbeispiel unten, einem Fall aus unserer Praxis, wurde dieser zweite Weg gewählt. Die Publikation weist außerdem darauf hin, dass häufig eine zweite Phase mit Korrekturschienen nötig ist, ähnlich der Feineinstellung am Ende einer Behandlung mit fester Zahnspange.

Heute arbeiten wir bei JUST KFO mit Trios 5 (3Shape), OnyxCeph und Exocad, SHERAprint/Rapidshape 20, 30 und 50, Biostar 4. Mehr zu unserem Praxislabor.

Planungssoftware mit digitalem Gebissmodell: links Ausgangssituation mit Attachments, rechts virtuell geplantes Behandlungsende nach 14 Schritten
Virtuelle Planung im Behandlungsbeispiel: links die Ausgangssituation mit Attachments, rechts das geplante Behandlungsende nach 14 Schritten.Quelle: Fachpublikation (Inf Orthod Kieferorthop 2020, Abb. 14a und b)
Links gedrucktes Zahnkranzmodell mit tiefgezogener Folie, rechts der ausgearbeitete durchsichtige Aligner
Links das gedruckte Modell mit der Folie nach dem Tiefziehen, rechts der ausgearbeitete Aligner mit geradem Rand.Quelle: Fachpublikation (Inf Orthod Kieferorthop 2020, Abb. 11a und b)

Ein Behandlungsbeispiel

Die Ausgangssituation

Eine 36-jährige Patientin kam mit dem Wunsch nach einem schöneren Lächeln in unsere Praxis. Ihre Zahnbögen waren im Ober- und Unterkiefer deutlich zu schmal, und es bestanden Engstände sowie leichte Drehstände einzelner Zähne. Bereits im Kindesalter war sie kieferorthopädisch behandelt worden. Die Bisslage selbst war stabil, sodass der Fokus auf der harmonischen Ausformung der Zahnbögen lag.

Der Behandlungsverlauf

Nach dem digitalen Scan wurde am Computer ein virtuelles Behandlungsziel erstellt und in einzelne Schritte zerlegt. Kleine, zahnfarbene Hilfselemente (Attachments)3 auf den Zähnen unterstützten die geplanten Bewegungen, feine Gummizüge verbesserten die Verzahnung. Die größte geplante Bewegung war eine Kippung der oberen Frontzähne um 23,2 Grad. Um den Zähnen genügend Platz zu verschaffen, wurden die Zahnzwischenräume an wenigen Stellen minimal geglättet. Geplant wurden 14 Schritte; für jeden Schritt entstanden zwei Aligner, zuerst mit 0,5 mm und dann mit 0,75 mm Folienstärke. Die Patientin wechselte die Aligner wöchentlich und trug die Gummizüge nachts und stundenweise tagsüber. Weil bereits im Kindesalter Zähne gezogen worden waren und das Zahnfleisch entzündet war, wurde sie während der ganzen Behandlung zusätzlich parodontologisch betreut.

Das Ergebnis

Bereits nach rund sieben Monaten (28 Wochen) waren die Zahnbögen harmonisch ausgeformt und die Engstände aufgelöst4, bei einer stabilen Klasse-I-Verzahnung. Zur Sicherung des Ergebnisses trägt die Patientin nachts eine 1,5 mm starke Halteschiene. Wie lange eine Behandlung dauert, hängt vom Ausgangsbefund und vom konsequenten Tragen ab; dieser Fall ist ein Beispiel, kein Richtwert.

Intraorale Aufnahmen von rechts, vorne und links: oben zu Behandlungsbeginn mit Attachments und schmalen Zahnbögen, unten nach 28 Wochen mit ausgeformten Zahnbögen
Obere Reihe: Ausgangssituation mit aufgeklebten Attachments (Abb. 13a–c). Untere Reihe: nach 28 Wochen Behandlung (Abb. 15d–f).Quelle: Fachpublikation (Inf Orthod Kieferorthop 2020, Abb. 13 und 15). Anonymisierte Darstellung einer realen, von unserer Praxis fachlich publizierten Behandlung.

Was dieser Fall zeigt

Die In-Office-Alignertherapie verbindet die Vorteile der digitalen Kieferorthopädie mit der Erfahrung des behandelnden Kieferorthopäden.1 Mehr zur Behandlung mit durchsichtigen Schienen (Aligner) erfahren Sie auf unserer Kompetenzseite. Entscheidend für ein gutes Ergebnis bleiben eine sorgfältige Planung und das konsequente Tragen der Schienen.5 Denselben Fall aus Sicht der Patientin beschreibt unser Behandlungsbeispiel zu Engständen mit Alignern.

Was bedeutet das für Sie?

Wenn Planung und Herstellung in derselben Praxis liegen, kann eine neue Schienenserie ohne Versandweg entstehen, etwa wenn nachgesteuert werden muss. Für Sie heißt das: Scan statt Abdruckmasse, Termine zur Kontrolle etwa alle sechs bis acht Wochen und Aligner, die Sie nach Plan selbst wechseln. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Aligner nicht; sie sind eine private Leistung. Die Kosten können Sie bei uns in Raten über bis zu 18 Monate zinsfrei direkt über die Praxis zahlen. Ob Aligner für Ihre Zahnstellung passen, klären wir im Beratungstermin; Telefon 0221 93 53 020.

Literatur
  • Schupp, W., Funke, J., & Haubrich, J. (2020). Der digitale Workflow in der In-Office-Alignertherapie. Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie, 52(4), 289–300. https://doi.org/10.1055/a-1241-9967 (J. Funke = Dr. Julia Steinmaier)
  • Patzelt, S. B. M., Emmanouilidi, A., Stampf, S., Strub, J. R., & Att, W. (2014). Accuracy of full-arch scans using intraoral scanners. Clinical Oral Investigations, 18(6), 1687–1694. https://doi.org/10.1007/s00784-013-1132-y
  • Schupp, W., & Haubrich, J. (Hrsg.). (2015). Aligner Orthodontics. Quintessenz.
  • Boyd, R. L., Miller, R. J., & Vlaskalic, V. (2000). The Invisalign System in adult orthodontics: Mild crowding and space closure cases. Journal of Clinical Orthodontics, 34, 203–212.
  • Rossini, G., Parrini, S., Castroflorio, T., Deregibus, A., & Debernardi, C. L. (2015). Efficacy of clear aligners in controlling orthodontic tooth movement: A systematic review. The Angle Orthodontist, 85(5), 881–889. https://doi.org/10.2319/061614-436.1
  • Cousley, R. R. J. (2022). In-house three-dimensional printing within the digital orthodontic workflow. Journal of the World Federation of Orthodontists, 11(6), 182–189. https://doi.org/10.1016/j.ejwf.2022.10.001

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Autoren: Dr. Werner Schupp, Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke), Dr. Julia Haubrich

Quelle: Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie 2020;52:289–300. DOI 10.1055/a-1241-9967

Der Fachbeitrag gibt den wissenschaftlichen Stand zum Erscheinungszeitpunkt (2020) wieder.

Dr. Julia Steinmaier · Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · ORCID 0000-0002-2054-8992 · Google Scholar

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