Behandlungsbeispiel: Erst Schiene, dann Aligner – die zweistufige CMD-Behandlung

20.08.2026Dr. Julia Steinmaierca. 4 Min. Lesezeit

Dieses Behandlungsbeispiel zeigt, wie aus einer erfolgreichen Schienentherapie bei CMD ein dauerhaftes Ergebnis wird – erst die Schiene, dann Aligner.

Anonymisierte Darstellung einer realen, von unserer Praxis fachlich publizierten Behandlung.

Bei einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) – also einem Ungleichgewicht zwischen Kiefergelenk, Kaumuskulatur und Biss – ist eine Aufbissschiene meist der erste Schritt. Sie kann eine schmerzfreie Kieferposition finden. Aber: Eine Schiene hält den Kiefer nur so lange in dieser günstigen Position, wie sie getragen wird. Dieses Behandlungsbeispiel zeigt den zweistufigen Weg, mit dem wir in unserer Praxis in Köln aus einer erfolgreichen Schienentherapie ein dauerhaftes Ergebnis gemacht haben.

Die Ausgangssituation

Eine 28-jährige Patientin kam mit langjährigen Beschwerden zu uns: Kiefergelenkschmerzen auf beiden Seiten, Knackgeräusche, bis in die Ohren ausstrahlende Schmerzen und immer wiederkehrende Nacken- und Rückenbeschwerden. Gegen die Schmerzen nahm sie über längere Zeit Medikamente ein. Die Funktionsuntersuchung zeigte einen klaren Zusammenhang mit der Bisslage: Ein zu früher Kontakt im Frontzahnbereich und eine fehlende Abstützung im Seitenzahnbereich drängten Unterkiefer und Gelenkköpfchen nach hinten.

Erste Stufe: die Schiene – Diagnose und Therapie zugleich

Wir haben zunächst eine individuelle Aufbissschiene angefertigt. Sie ist reversibel – sie verändert nichts dauerhaft an den Zähnen – und erfüllt zwei Aufgaben: Sie entlastet Gelenk und Muskulatur, und sie testet, welche Kieferposition tatsächlich schmerzfrei ist. Nach drei bis sechs Monaten folgt eine erneute, umfassende Funktionsuntersuchung. Bei unserer Patientin war das Ergebnis eindeutig: Sie war nahezu beschwerdefrei, die Schmerzmedikation konnte beendet werden, und die gefundene Bisslage blieb über mehrere Wochen stabil.

Zweite Stufe: Aligner stabilisieren das Ergebnis

Nun kam der Punkt, an dem sich entscheidet, ob der Erfolg hält: Damit der Kiefer die gefundene Position auch ohne Schiene einnimmt, müssen die Zähne dorthin bewegt werden, wo sie diese Position von selbst stützen. Damit die schmerzfreie Stellung dabei nicht verloren geht, werden kleine festsitzende Aufbauten auf die hinteren Backenzähne geklebt, die den Kiefer weiter exakt in der getesteten Position halten. Auf dieser Grundlage arbeiteten wir mit durchsichtigen Alignern in zwei Phasen: zuerst wurden Front- und Eckzähne ausgerichtet, während die Backenzähne die Kieferposition sicherten; danach wurden auch die Backenzähne so eingestellt, dass am Ende alle Zähne wieder gleichmäßig zusammentreffen.

Das Ergebnis

Nach Abschluss der Aligner-Phase trug die Patientin die günstige Kieferposition in ihrem eigenen Biss: Die Seitenzähne stützten den Kiefer gleichmäßig ab, die Beschwerden blieben zurück – ohne dass die Schiene dauerhaft weitergetragen werden musste. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von mehreren Jahren blieb das Ergebnis stabil. Aus vorübergehender Beschwerdefreiheit war eine belastbare Grundlage geworden.

Warum wir diesen Fall zeigen

Die zweistufige Logik – erst diagnostisch-therapeutische Schiene, dann definitive Stabilisierung – ist der fachliche Kern zweier Publikationen unserer Praxis: Okklusionsschiene bei CMD: der Start jeder Behandlung und Nachbehandlung nach initialer Schienentherapie, in der dieser Fall dokumentiert ist. Wichtig und ehrlich eingeordnet: Nicht jede CMD braucht eine Zahnkorrektur – oft genügt die Schiene, und die Ursachen einer CMD sind vielfältig. Bleiben die Beschwerden trotz korrekt eingestellter Schiene bestehen, lag die Ursache nicht im Zusammenbiss; dann wird die okklusale Therapie beendet statt endlos fortgeführt. Bei Verdacht auf eine Schlafproblematik oder andere Grunderkrankungen arbeiten wir interdisziplinär mit HNO- und Schlafmedizin zusammen. Für Sie bedeutet das: Ob eine zweistufige Behandlung sinnvoll ist, entscheidet die Funktionsdiagnostik – wir besprechen das gern ausführlich. Mehr auf unserer Seite zur CMD-Schmerztherapie in Köln.

Quellen:

  • Schupp, W., Boisserée, W., Tabancis, M., & Funke, J. (2019). Initial therapy of occlusion. Journal of Aligner Orthodontics, 3(1), 31–41.
  • Schupp, W., Steinmaier (geb. Funke), J., Haubrich, J., & Boisserée, W. (2019). Follow-up treatment after initial splint therapy. Journal of Aligner Orthodontics, 3(2), 147–164.
  • Al-Ani, M. Z., Davies, S. J., Gray, R. J. M., Sloan, P., & Glenny, A.-M. (2004). Stabilisation splint therapy for temporomandibular pain dysfunction syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews, (1), CD002778. https://doi.org/10.1002/14651858.CD002778.pub2
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (2026). S3-Leitlinie: Diagnostik und Behandlung von Bruxismus. AWMF-Registernr. 083-027, Version 2.1 (Januar 2026). register.awmf.org/de/leitlinien/detail/083-027

Häufig gestellte Fragen zur zweistufigen CMD-Behandlung

Warum reicht die Schiene manchmal allein nicht aus?

Eine Schiene hält den Kiefer nur so lange in der günstigen Position, wie sie getragen wird. Soll die Position dauerhaft ohne Schiene bestehen, müssen die Zähne so eingestellt werden, dass sie diese Position von selbst stützen – etwa mit Alignern.

Wie lange dauern die beiden Stufen?

Die Schienenphase dauert häufig etwa drei bis sechs Monate, bis eine stabile, schmerzfreie Position gefunden ist. Die anschließende Aligner-Phase richtet sich nach der Fehlstellung. Genaueres lässt sich nach der Diagnostik sagen.

Muss ich nach den Alignern die Schiene weiter tragen?

Ziel der zweiten Stufe ist gerade, die günstige Position im eigenen Biss zu verankern. Häufig wird nachts weiterhin eine Schutz- oder Retentionsschiene empfohlen – das hängt vom Einzelfall ab.

Braucht jede CMD eine solche zweistufige Behandlung?

Nein. Bei vielen Patientinnen und Patienten genügt die Schienentherapie. Die zweite Stufe ist nur sinnvoll, wenn der Biss selbst wesentlich zur Fehlbelastung beiträgt.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Bei medizinisch begründeter Funktionsstörung beteiligen sich gesetzliche und private Kassen je nach Diagnose und Tarif häufig an der funktionstherapeutischen Schiene. Die anschließende Aligner-Behandlung ist meist eine Privatleistung. Wir klären das transparent mit Ihnen.

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Über die Autorin

Dr. Julia Steinmaier

Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.

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