Behandlungsbeispiel: Schmaler Oberkiefer – Gaumennahterweiterung zum Herausnehmen

20.08.2026Dr. Julia Steinmaierca. 4 Min. Lesezeit

Dieses Behandlungsbeispiel zeigt eine Gaumennahterweiterung, die herausnehmbar ist – ohne zementierte Bänder und ohne Schrauben im Gaumenknochen.

Anonymisierte Darstellung einer realen, von unserer Praxis fachlich publizierten Behandlung.

Eine Gaumennahterweiterung – also das behutsame Weiten eines zu schmalen Oberkiefers – muss nicht zwingend über eine fest einzementierte Apparatur laufen. Es gibt eine minimalinvasive Alternative: eine herausnehmbare, über zahnfarbene Attachments verankerte Apparatur. Dieses Behandlungsbeispiel zeigt, wie wir in unserer Praxis in Köln damit einen Kreuzbiss bei einem Kind korrigiert haben. Wie eine Gaumennahterweiterung grundsätzlich funktioniert, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Gaumennahterweiterung – hier geht es um einen konkreten Fall.

Die Ausgangssituation

Ein achtjähriges Kind kam mit einem Kreuzbiss zu uns: Der Oberkiefer war zu schmal, sodass die oberen Zähne seitlich hinter den unteren zubissen. Ein schmaler Oberkiefer engt nicht nur die Zähne ein – er kann auch die Nasenatmung und die weitere Gebissentwicklung beeinflussen. In solchen Fällen ist das Weiten der Gaumennaht im Wachstumsalter ein bewährter und schonender Weg.

Die Behandlungsplanung

Klassische Gaumennahterweiterungen werden mit Bändern und Zement fest auf den Zähnen verankert – oder bei größeren Fällen mit kleinen Schrauben im Gaumenknochen. Beides wirkt zuverlässig, hat aber Nachteile: Rund um eine festsitzende Apparatur sammelt sich leicht Belag, schon nach wenigen Wochen zeigen sich häufig Zahnfleischentzündungen, und manche Familien schreckt die Vorstellung von Schrauben im Gaumen ab. Wir haben stattdessen die von unserer Praxis mitentwickelte attachmentverankerte Variante geplant: Sie wird über kleine, zahnfarbene Halteelemente gehalten – ähnlich wie bei der Aligner-Technik – und lässt sich zum Essen und Reinigen herausnehmen. Die Planung erfolgte digital auf Basis eines 3D-Scans.

Die Behandlung

Nach dem Aufkleben der Halteelemente wurde die Apparatur eingegliedert. Geweitet wird sie wie bei der klassischen Variante über eine kleine Dehnschraube in der Gaumenmitte – nur dreht die Familie sie zu Hause selbst, nach Anleitung meist eine Vierteldrehung pro Tag. Getragen wurde die Apparatur ganztägig und nur zum Essen und zur Zahnpflege herausgenommen. Weil sie herausnehmbar ist, blieben Zähne und Zahnfleisch gut zu pflegen: In der Fachpublikation zeigten sich rund um die Apparatur praktisch keine Entzündungszeichen, anders als es bei fest zementierten Geräten häufiger vorkommt. Für das Kind bedeutete das essen und Zähneputzen wie gewohnt, ohne Bänder und Zement im Weg.

Das Ergebnis

Innerhalb weniger Wochen bis Monate war der Oberkiefer spürbar geweitet und der Kreuzbiss ausgeglichen. Es entstand mehr Platz im Oberkiefer und ein ausgeglichener seitlicher Biss – erreicht mit einer Apparatur, die sich herausnehmen und gründlich reinigen ließ. Anschließend wird das Ergebnis stabilisiert und die Behandlung bei Bedarf mit einem weiteren kinderkieferorthopädischen Gerät fortgeführt.

Warum wir diesen Fall zeigen

Die attachmentverankerte Apparatur zur Gaumennahterweiterung ist eine Entwicklung, zu der unsere Praxis fachlich publiziert hat – in der Publikation sind drei Kinder im Alter von acht und neun Jahren dokumentiert (siehe unsere Fachpublikation Die attachmentverankerte Apparatur zur Gaumennahterweiterung). Sie zeigt, wie sich eine bewährte Behandlung mit modernen, hygienefreundlichen Mitteln umsetzen lässt. Ehrlich eingeordnet: Sie ersetzt nicht jede klassische Gaumennahterweiterung – sie ist herausnehmbar und wirkt deshalb nur, wenn sie konsequent getragen wird; bei sehr ausgeprägter Enge oder bei Erwachsenen, deren Gaumennaht bereits verknöchert ist, bleiben andere, teils chirurgisch unterstützte Verfahren nötig. Für Sie bedeutet das: Ob dieser schonende Weg für Ihr Kind infrage kommt, klären wir gern nach einer sorgfältigen Diagnostik – mehr dazu auf unserer Seite zur Kinder- und Jugendkieferorthopädie und in unserem Ratgeber Kreuzbiss erkennen und behandeln.

Quellen:

  • Steinmaier (geb. Funke), J., & Schupp, W. (2019). Die attachmentverankerte Apparatur zur Gaumennahterweiterung – eine minimalinvasive Alternative. Kieferorthopädie, 33(4), 395–403.
  • Ugolini, A., Agostino, P., Silvestrini-Biavati, A., Harrison, J. E., & Batista, K. B. S. L. (2021). Orthodontic treatment for posterior crossbites. Cochrane Database of Systematic Reviews, (12), CD000979. https://doi.org/10.1002/14651858.CD000979.pub3
  • Barone, M., De Stefani, A., Cavallari, F., Gracco, A., & Bruno, G. (2023). Pain during Rapid Maxillary Expansion: A Systematic Review. Children, 10(4), 666. https://doi.org/10.3390/children10040666

Häufig gestellte Fragen zur Gaumennahterweiterung

Was ist der Unterschied zur klassischen Gaumennahterweiterung?

Die klassische Variante wird mit Bändern und Zement fest auf den Zähnen verankert, manchmal zusätzlich mit kleinen Schrauben im Gaumenknochen. Die attachmentverankerte Apparatur wird über zahnfarbene Halteelemente gehalten und ist herausnehmbar – die Dehnschraube in der Mitte gibt es bei beiden. Der Gewinn liegt in der Mundhygiene: Zähne und Zahnfleisch bleiben frei zugänglich.

Ab welchem Alter ist eine Gaumennahterweiterung sinnvoll?

In der Regel im Wachstumsalter, solange die Gaumennaht noch nicht verknöchert ist – häufig im Milch- und frühen Wechselgebiss, also etwa im Grundschulalter. Der genaue Zeitpunkt hängt von der individuellen Entwicklung ab und wird kieferorthopädisch bestimmt.

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Meist nicht. Beim Drehen der Schraube kann ein leichtes Druck- oder Spannungsgefühl im Oberkiefer oder an der Nasenwurzel auftreten. Systematische Auswertungen zeigen, dass Beschwerden vor allem in den ersten Tagen auftreten und danach deutlich nachlassen.

Wie lange dauert die Erweiterung?

Die eigentliche Weitung ist oft in wenigen Wochen erreicht; anschließend folgt eine Stabilisierungsphase, damit das Ergebnis hält. Die Gesamtdauer lässt sich erst nach der Diagnostik genauer abschätzen.

Geht eine Gaumennahterweiterung auch bei Erwachsenen?

Nur eingeschränkt. Mit zunehmendem Alter verknöchert die Gaumennaht, sodass eine rein kieferorthopädische Weitung oft nicht mehr ausreicht und chirurgisch unterstützt werden muss. Das besprechen wir individuell und – wenn nötig – interdisziplinär.

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Über die Autorin

Dr. Julia Steinmaier

Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.

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