Bei Kiefergelenkbeschwerden (CMD) ist eine Aufbissschiene meist der erste Behandlungsschritt. Der Beitrag zeigt, wie eine solche Schiene den Unterkiefer in eine entlastende Position führt.
Initiale Okklusionstherapie mittels Schiene zur Repositionierung in die zentrische Relation.
Die Schiene als erster Schritt jeder CMD-Behandlung
Die erste Behandlungsmaßnahme bei einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) ist in den meisten Fällen eine Aufbissschiene.1 Diese dient als reversible therapeutische Methode, um eine Verbesserung der Beschwerden zu erreichen. Eine definitive kieferorthopädische Behandlung kann erst dann erfolgen, wenn durch die Schiene eine funktionelle Besserung eingetreten ist. Zusätzlich zur therapeutischen Anwendung kann eine Okklusionsschiene auch als diagnostisches Werkzeug genutzt werden, um die physiologische, dreidimensionale Position des Unterkiefers zu bestimmen.4
Wie wirksam ist eine Okklusionsschiene?
Okklusionsschienen sind wissenschaftlich belegte Therapieinstrumente2, die nicht nur das craniomandibuläre System, sondern auch das gesamte muskuloskelettale System positiv beeinflussen.3 Sie korrigieren okklusale Störungen und normalisieren neuromuskuläre Dysfunktionen. Gleichzeitig ermöglichen sie eine reversible Neudefinition der Kiefergelenksposition, ohne dass dabei bereits dauerhaft in die Zahnstellung eingegriffen wird. Wie eine solche Schiene heute digital geplant und gefertigt wird, beschreiben wir ausführlich im Beitrag zu den digitalen Okklusionsschienen für CMD.
Wann eine Schiene allein nicht ausreicht
Nicht in jedem Fall ist eine isolierte Schienentherapie ausreichend. In bestimmten Ausgangssituationen muss sie mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden:
- Tiefbiss mit nach innen geneigten oberen Schneidezähnen: Hier wäre eine isolierte Schienentherapie unzureichend, da sie zu einer weiteren Rotation des Unterkiefers führen könnte.
- Transversale Diskrepanzen mit Kreuzbiss: In solchen Fällen ist eine kombinierte funktionelle Kiefergelenkstherapie und kieferorthopädische Behandlung erforderlich.
- Primäre Gelenkerkrankungen: Hier kann eine Schienentherapie die Beschwerden verstärken, sodass eine präzise Diagnostik mittels DVT oder MRT notwendig ist.
Herstellung und Anpassung der Schiene
Anfertigung im Labor
Die Schienenfertigung erfolgt auf Modellen, die im Artikulator montiert sind. Die Schiene sollte möglichst flach gestaltet werden, um einen hohen Tragekomfort zu gewährleisten. Nach der Fertigstellung wird die Okklusion mithilfe von Okklusionsfolie überprüft und angepasst.
Einsetzen und Kontrolle
Nach dem Einsetzen wird überprüft, ob die Schiene stabil sitzt und keine unerwünschten Bewegungen zulässt. Erste Kontrollen erfolgen nach einer Woche, um sowohl die statische als auch die dynamische Okklusion zu bewerten. Anpassungen erfolgen durch gezieltes Einschleifen der Schiene oder eine erneute Montage im Artikulator.
Die Schiene ebnet den Weg
Okklusionsschienen sind ein effektives Mittel zur reversiblen Behandlung von CMD. Sie ermöglichen die Ermittlung einer physiologischen Kiefergelenksposition und dienen als Basis für weiterführende kieferorthopädische Maßnahmen. Eine erfolgreiche Schienentherapie dauert in der Regel drei bis sechs Monate. Erst wenn eine stabile Bisslage erreicht ist, kann eine weiterführende Aligner-Therapie oder prothetische Behandlung beginnen.
+Literatur
- Fricton, J., Look, J. O., Wright, E., et al. (2010). Systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials evaluating intraoral orthopedic appliances for temporomandibular disorders. Journal of Orofacial Pain, 24, 237–254.
- Ordelheide, A., & Bernhardt, O. The effectiveness of occlusal splints in the treatment of craniomandibular dysfunctions: An overview of national and international publications. Journal of Craniomandibular Function.
- Kopp, S., Friedrichs, A., Pfaff, G., & Langbein, U. (2003). Beeinflussung des funktionellen Bewegungsraumes von Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule durch Aufbissbehelfe. Manuelle Medizin, 41(1), 39–51. doi:10.1007/s00337-002-0200-1
- Freesmeyer, W. (1993). Zahnärztliche Funktionstherapie. Hanser.
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Autoren: Dr. Werner Schupp, Dr. Wolfgang Boisserée, Dr. Maria Tabancis, Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke)
Quelle: Journal of Aligner Orthodontics 2019; 3(1): 31–41.
Der Fachbeitrag gibt den wissenschaftlichen Stand zum Erscheinungszeitpunkt (2019) wieder.
Dr. Julia Steinmaier · Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · ORCID 0000-0002-2054-8992 · Google Scholar