„Braucht mein Kind eine Zahnspange?
Wann eine Klammer nötig ist. Wie lange die Behandlung dauert. Welche Kosten die Kasse übernimmt“
Ob ein Kind eine Zahnspange braucht, entscheidet nicht die Optik, sondern die Funktion: Kann es richtig abbeißen, kauen, sprechen und durch die Nase atmen – und finden die bleibenden Zähne Platz? Die erste kieferorthopädische Kontrolle empfehlen wir mit sechs bis neun Jahren, wenn die ersten bleibenden Schneidezähne und Backenzähne da sind. Behandelt wird meist zwischen acht und vierzehn – und nur dann, wenn der Befund es verlangt. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, woran Sie Behandlungsbedarf erkennen, wann der richtige Zeitpunkt ist und was die Krankenkasse übernimmt.
Alles zur Kinder-Kieferorthopädie erfahren Sie auf unserer Behandlungsseite. Ob schon eine durchsichtige Zahnspange infrage kommt, klärt unser Beitrag Kann mein Kind schon eine durchsichtige Zahnspange bekommen?.
Dass Kinder heute häufiger „verdrahtet“ werden als früher, hat mehrere Gründe: Die Eltern legen großen Wert auf gesunde und gerade Zähne. Außerdem kennt man heute die schädlichen Folgen von Zahn- und Kieferfehlstellungen besser als früher. Und schließlich akzeptieren heute die meisten Kinder eher eine Spange, weil sie unter den Gleichaltrigen längst kein Makel mehr sind.
Selbst Erwachsene können kieferorthopädisch behandelt werden. Für Sie gibt es unsichtbare Zahnspangen, Aligner / Invisalign genannt.
Direkt zu unseren Leistungen für die Zahnspange für Kinder:
Zahnregulierung – nur wegen der Schönheit?
Makellose Zähne sind für den Kieferorthopäden ein Nebeneffekt: Er entscheidet nach medizinischen Gesichtspunkten darüber, ob die Fehlstellung später die Gesundheit beeinträchtigt. Aber was gut funktioniert und gesund ist, sieht auch gut aus!
Wann muss eine Spange wirklich sein?
Sitzen einzelne Zähne schief im Kiefer oder stimmt der Biss nicht, weil die Ober- und Unterkiefer nicht richtig zusammen passen, dann kann dies schon bald Folgen haben: zum Beispiel Magen- und Darmbeschwerden durch schlechtes Kauen. Oder Sprachfehler, etwa Lispeln.
Falls die Zähne kreuz und quer stehen, kann es auch verstärkt zu Karies kommen. Nicht zuletzt werden Nacken- und Kiefermuskulatur, Hals und Atemwege belastet, wenn der Mund nachts beim Schlafen nicht richtig geschlossen wird.
Was sind die häufigsten Gründe für die Behandlung?
- Zurückliegender Unterkiefer: Die Oberkieferfrontzähne stehen weit vor den vorderen Unterkieferzähnen.
- Vorstehender Unterkiefer: Die unteren Schneidezähne beissen vor die Oberkieferzähne.
- Engstand: Die Zähne stehen nicht in einem ordentlichen Bogen, sondern dicht verschachtelt.
- Frontal offener Biss: Die Seitenzähne beissen aufeinander, die Frontzähne aber nicht – vorn entsteht ein Loch.
Der Grund für solche Fehlstellungen liegt manchmal in der Veranlagung, aber oft sind die Probleme hausgemacht: Daumenlutschen, Nägelbeißen, aber auch Nuckelflasche oder Schnuller als Dauertröster führen zu Verformungen. Die noch weichen Oberkieferknochen werden nach vorne gedrückt. Dadurch stehen die Frontzähne später vor. Schlecht ist es auch, wenn die Milchzähne wegen Karies zu früh ausfallen. Dann kippen die Nachbarzähne in die entstandene Lücke, die bleibenden Zähne wachsen schief heraus.
Wann sollte die Behandlung beginnen?
Die meisten Kinder bekommen ihre Spange mit acht oder neun Jahren, wenn der Zahnwechsel begonnen hat und das Kieferwachstum noch steuerbar ist. Wann genau der richtige Zeitpunkt ist, hängt vom Befund ab – ab welchem Alter eine Zahnspange sinnvoll ist, ist im Einzelnen dort beschrieben.
Auch im Jugendalter ist eine Korrektur gut möglich – die feste Zahnspange wird meist zwischen zwölf und vierzehn eingesetzt, wenn alle bleibenden Zähne durchgebrochen sind. Was in diesem Alter zählt, ist die Mitarbeit: Gummizüge, Mundhygiene und Termine tragen den Erfolg. Frühbehandlungen mit fünf bis acht Jahren sind die Ausnahme und für wenige, klar umrissene Befunde gedacht – etwa einen Kreuzbiss, einen ausgeprägten Rückbiss mit Verletzungsgefahr der Schneidezähne oder Angewohnheiten wie Daumenlutschen (Fleming 2017, siehe Quellen).
Nach Ansicht des Berufsverbandes der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) könnte vielen Kindern eine langwierige Prozedur erspart werden, wenn die Eltern mit ihrem Kind schon mit fünf bis sechs Jahren zu einem Facharzt für Kieferorthopädie gehen würden. Frühzeitig erkannte Fehlstellungen lassen sich nämlich oft schon mit spielerischen (myofunktionellen) Muskelübungen oder einfachen Maßnahmen wie einer Mundvorhofplatte oder Funktionsreglern behandeln.
Ein später Behandlungsbeginn birgt die Gefahr, dass man um eine Spange meist nicht mehr herumkommt, Manchmal müssen Zähne gezogen werden, oder es ist sogar ein operativer Eingriff nötig.
Wie werden Spangenzähne sauber?
Kinder mit Zahnspange brauchen eine intensive Mundpflege:
Vor dem Zähneputzen kräftig mit Wasser oder einer speziellen Lösung spülen. Dadurch werden gröbere Speisereste entfernt. Danach die Zähne sorgfältig und systematisch mit kleinen, kreisenden Bewegungen putzen.
Den Zahnfleischrand unterhalb und oberhalb der Spange besonders sorgfältig pflegen. Munddusche und spezielle kleine „Interdentalraum-Zahnbürsten“ benutzen, um unter und zwischen der Spange putzen zu können. Besonders wichtig: jeden Abend mit Zahnseide die Zahnzwischenräume reinigen.
Herausnehmbare Spangen unter laufendem Wasser mit der Zahnbürste reinigen. Bei täglicher Pflege geht das auch ohne Reinigungstabletten.
Die Berufsverbände der Kieferorthopäden und der Kinderärzte haben sich deshalb zu einer engeren Zusammenarbeit entschlossen. Nach einem interdisziplinärem Programm untersucht der Kinderarzt die Kinder im 3., 5. und 7. Lebensjahr auch kieferorthopädisch und fahndet vorbeugend nach Zahn- und Kieferfehlstellungen.
Wie lange dauert die Behandlung im Durchschnitt?
Normalerweise muss das Kind die Zahnspange mehrere Jahre lang tragen. Selbst wenn es gelingt, die Zähne bald in die gewünschte Stellung zu bringen – so rutschen sie ebenso schnell wieder zurück.
Ob das Kind eine herausnehmbare oder eine festsitzende Spange bekommt, hängt von der Diagnose des Kieferorthopäden ab. Nur wenige Fehlstellungen lassen sich sowohl mit dem einen als auch mit dem anderen Spangensystem beheben. Je nach Art der Fehlstellung bekommt das Kind feste Brackets, herausnehmbare Spangen oder so genannte Non-Compliance-Geräte, Apparaturen, die die Zähne bewegen, ohne dass die Mitarbeit des Kindes notwendig ist.
Wozu die Spange nach der Spange?
Viele Kinder müssen auch nach Entfernung der festen Spange noch eine Weile eine herausnehmbare Apparatur tragen. Denn leider lassen sich die Zähne nicht so schnell überlisten: „Retentionsphase“ nennt man die Zeit nach der kieferorthopädischen Behandlung, in der die Zähne in die gewünschte Position gebracht worden sind. Jetzt geht es darum, sie in dieser Stellung zu halten. Wie lange das dauert, ist von Patient zu Patient unterschiedlich.
Welche Kosten werden von der Krankenkasse übernommen?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Behandlung, wenn ein anerkannter Behandlungsbedarf vorliegt. Dafür ordnet die Kieferorthopädin oder der Kieferorthopäde den Befund einer der fünf Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) zu – von Grad 1 (leichte Abweichung) bis Grad 5 (sehr ausgeprägt). Ab Grad 3 zahlt die Kasse; Grad 1 und 2 sind Privatleistung, auch wenn eine Behandlung sinnvoll sein kann. Die Einstufung erfolgt in der Praxis nach festen Messwerten und wird von der Kasse geprüft.
Übernimmt die Kasse, zahlt sie 80 Prozent der Kosten direkt. Den Eigenanteil von 20 Prozent zahlen Sie zunächst selbst und erhalten ihn nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung zurück. Leistungen über die Regelversorgung hinaus – etwa Keramikbrackets oder bestimmte Aligner – werden gesondert vereinbart. Was in Ihrem Fall gilt, steht vor Behandlungsbeginn im Heil- und Kostenplan. Ausführlich zur Einstufung: der Abschnitt KIG auf unserer Seite zur festen Zahnspange.
Zusammenfassung:
Zahnspangen werden heutzutage immer häufiger bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt, um Zahn- und Kieferfehlstellungen zu korrigieren und gesunde, gerade Zähne zu fördern.
Es gibt es nahezu unsichtbare Zahnspangen für Erwachsene, wie Aligner oder Invisalign. Die Behandlung kann je nach Diagnose eine herausnehmbare oder festsitzende Zahnspange, wie selbstligierende Brackets, umfassen.
Die optimale Zeit für eine Zahnspangenbehandlung bei Kindern ist, sobald der Zahnwechsel einsetzt, da das Kieferwachstum noch nicht abgeschlossen ist. Eine kieferorthopädische Indikationsgruppe wird genutzt, um die Notwendigkeit der Behandlung und die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen zu bestimmen.
Feste Zahnspangen für Kinder und Erwachsene werden mithilfe von selbstligierenden Brackets an den Zähnen befestigt. Eine intensive Mundpflege ist bei Patienten mit einer festsitzenden Zahnspange wichtig, um Karies und andere Probleme zu verhindern.
Nach der Behandlung mit einer festen Zahnspange kann eine herausnehmbare Zahnspange erforderlich sein der Einsatz eines Retainers empfiehlt sich, um die Zähne in ihrer korrigierten Position zu halten.
Quellen:
- Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie für die kieferorthopädische Behandlung (KFO-Richtlinie). g-ba.de/richtlinien/28 · § 29 SGB V. gesetze-im-internet.de/sgb_5/__29.html
- Fleming P. S. (2017). Timing orthodontic treatment: early or late?. Australian dental journal, 62 Suppl 1, 11-19. doi:10.1111/adj.12474
- DiBiase A. (2002). The timing of orthodontic treatment. Dental update, 29(9), 434-441. doi:10.12968/denu.2002.29.9.434
- Anne Mandall, N., Cousley, R., DiBiase, A., Dyer, F., Littlewood, S., Mattick, R., Nute, S., Doherty, B., Stivaros, N., McDowall, R., Shargill, I., Ahmad, A., Walsh, T., & Worthington, H. (2012). Is early Class III protraction facemask treatment effective? A multicentre, randomized, controlled trial: 3-year follow-up. Journal of orthodontics, 39(3), 176-185. doi:10.1179/1465312512Z.00000000028
- Kluemper, G. T., Beeman, C. S., & Hicks, E. P. (2000). Early orthodontic treatment: what are the imperatives?. Journal of the American Dental Association (1939), 131(5), 613-620. doi:10.14219/jada.archive.2000.0235
- Marques, L. S., Freitas Junior, N.d, Pereira, L. J., & Ramos-Jorge, M. L. (2012). Quality of orthodontic treatment performed by orthodontists and general dentists. The Angle orthodontist, 82(1), 102-106. doi:10.2319/061311-389.1
- Farret, M. M., Farret, M. M., & Farret, A. M. (2016). Orthodontic camouflage of skeletal Class III malocclusion with miniplate: a case report. Dental press journal of orthodontics, 21(4), 89-98. doi:10.1590/2177-6709.21.4.089-098.oar
- Brierley, C. A., DiBiase, A., & Sandler, P. J. (2017). Early Class II treatment. Australian dental journal, 62 Suppl 1, 4-10. doi:10.1111/adj.12478
- O’Brien, K., Wright, J., Conboy, F., Appelbe, P., Davies, L., Connolly, I., Mitchell, L., Littlewood, S., Mandall, N., Lewis, D., Sandler, J., Hammond, M., Chadwick, S., O’Neill, J., McDade, C., Oskouei, M., Thiruvenkatachari, B., Read, M., Robinson, S., Birnie, D., … Worthington, H. (2009). Early treatment for Class II Division 1 malocclusion with the Twin-block appliance: a multi-center, randomized, controlled trial. American journal of orthodontics and dentofacial orthopedics : official publication of the American Association of Orthodontists, its constituent societies, and the American Board of Orthodontics, 135(5), 573-579. doi:10.1016/j.ajodo.2007.10.042
- Antoun, J. S., Mei, L., Gibbs, K., & Farella, M. (2017). Effect of orthodontic treatment on the periodontal tissues. Periodontology 2000, 74(1), 140-157. doi:10.1111/prd.12194
- Eltern Ratgeber, Ausgabe 1/2002
- Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO) & Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): S3-Leitlinie Ideale Behandlungszeitpunkte kieferorthopädischer Anomalien. AWMF-Registernr. 083-038, Version 1.1 (Dezember 2021, gültig bis 16.12.2026). register.awmf.org
- Proffit W. R. & Fields H. W. (1993). Contemporary orthodontics (2nd ed.). Mosby-Year Book.
Anmerkung der Redaktion (2026): Dieser Beitrag ist ein Nachdruck aus „Eltern“ (Ausgabe 1/2002). Einzelne Angaben geben den damaligen Stand wieder; die genannte jährliche Zahl behandelter Kinder ist in dieser Höhe nicht belegt. Maßgeblich für eine Behandlung ist immer die individuelle kieferorthopädische Einschätzung.
Häufig gestellte Fragen dazu, ob ein Kind eine Zahnspange braucht
Woran erkenne ich, ob mein Kind eine Zahnspange braucht?
Hinweise können eng oder schief stehende Zähne, ein auffälliger Biss, Schwierigkeiten beim Abbeißen, Mundatmung oder anhaltendes Daumenlutschen sein. Sicherheit gibt aber nur die kieferorthopädische Untersuchung – Sie müssen das nicht selbst beurteilen.
Geht es bei einer Zahnspange nur um die Optik?
Nein. Neben einem harmonischen Lächeln geht es vor allem um Funktion und Gesundheit: einen gut funktionierenden Biss, saubere Zahnpflege und die gesunde Entwicklung von Kiefer und Kiefergelenken. Fehlstellungen können langfristig Beschwerden verursachen.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Kinder?
Bei Kindern und Jugendlichen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, wenn eine bestimmte Schwere der Fehlstellung vorliegt (KIG-Einstufung 3 bis 5): 80 Prozent zahlt sie direkt, den Eigenanteil von 20 Prozent erhalten Sie nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung zurück. Bei leichteren Fällen oder Zusatzleistungen können private Anteile entstehen – das besprechen wir vorab.
Ist eine Zahnspange für mein Kind unangenehm?
In den ersten Tagen nach dem Einsetzen ist ein Druckgefühl normal, das rasch nachlässt. Kinder gewöhnen sich meist schnell daran. Mit guter Vorbereitung und altersgerechter Erklärung nehmen wir Kindern die Anspannung.
Dr. Julia Steinmaier
Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.
Zur Vita →Verwandte Beiträge
Diese Blog-Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren.
Fachlich geprüft von Dr. med. dent. Julia Steinmaier, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · Zuletzt geprüft am 06.09.2026
Ihr Kieferorthopäde Köln!
Vereinbaren Sie Ihre unverbindliche Beratung bei JUST KFO – Dr. Steinmaier & Kollegen in Köln.