Eignet sich eine durchsichtige Zahnspange auch für Kinder? Diese Frage stellen uns viele Eltern – hier die Antwort aus der Praxis.
Viele Eltern kennen durchsichtige Schienen (Aligner) als Behandlung für Erwachsene. Die Frage, die uns in der Praxis oft gestellt wird, lautet daher: Geht das eigentlich auch schon bei Kindern? Bei bestimmten Fehlstellungen ja, auch schon im Grundschulalter, wie das Beispiel weiter unten mit einem achtjährigen Mädchen zeigt. Bei anderen Befunden sind klassische Frühbehandlungsgeräte oder später eine feste Zahnspange die bessere Wahl.
Warum überhaupt schon im Kindesalter behandeln?
Manche Zahn- und Kieferfehlstellungen lassen sich am besten früh angehen, solange der Kiefer noch wächst. Fachleute sprechen dann von einer Frühbehandlung. Ein typisches Beispiel ist der Kreuzbiss, bei dem einzelne Zähne „verkehrt herum“ zum Gegenkiefer stehen. Wird er früh korrigiert, lässt sich die weitere Entwicklung oft auf einen guten Weg bringen.
Was spricht für Aligner bei Kindern?
Durchsichtige Schienen haben aus Elternsicht ein paar sympathische Vorteile:
- Kaum sichtbar: Viele Kinder tragen sie lieber als eine auffällige feste Spange.
- Herausnehmbar: Zum Essen und Zähneputzen kommen die Schienen heraus – Zähneputzen bleibt einfach, und es gibt keine Einschränkungen beim Lieblingsessen.
- Angenehm zu tragen: Keine Drähte oder Brackets, die drücken oder scheuern.
- Kein zusätzlicher Aufbiss: Um einen Kreuzbiss zu überstellen, müssen die Zahnreihen kurz auseinandergehalten werden. Bei Platte oder fester Apparatur braucht es dafür Aufbisse auf den Backenzähnen. Bei Alignern übernimmt das die Materialstärke der Schiene auf den Kauflächen.
Worauf es ankommt: das Mitmachen
Der Erfolg hängt vor allem davon ab, dass die Schienen zuverlässig getragen werden: rund 22 Stunden am Tag, herausgenommen nur zum Essen und Zähneputzen. Hier sind Kind und Eltern als Team gefragt. Erfahrungsgemäß klappt das bei vielen Kindern erstaunlich gut, gerade weil sie die Schienen als „ihre“ Aufgabe annehmen.
Ein Beispiel aus unserer Praxis
Ein achtjähriges Mädchen kam zu uns, weil ein oberer seitlicher Schneidezahn hinter den unteren biss (Kreuzbiss). Außerdem war der Oberkiefer zu schmal, und zwei hintere Backenzähne waren verdreht. Als Alternativen kamen eine lose Zahnspange mit Feder oder eine kleine feste Apparatur mit Aufbissen infrage. Wir haben uns für Aligner entschieden.
Nach einem digitalen Scan haben wir die Behandlung mit einer Planungssoftware in der Praxis geplant. Der Schneidezahn sollte insgesamt 4,4 Millimeter nach vorn wandern, aufgeteilt in acht Schritte von je 0,55 Millimetern. Die Modelle für jeden Schritt wurden im 3D-Drucker hergestellt, die Schienen darauf in unserem eigenen Labor gefertigt. Kleine zahnfarbene Haltepunkte (Attachments) auf drei Zähnen sorgten dafür, dass die Schienen genau greifen.
Das Mädchen trug jede Schiene eine Woche lang rund 22 Stunden am Tag. Nach 16 Schienen folgten 6 weitere zur Feineinstellung. Nach 22 Wochen war der Kreuzbiss überstellt, der Oberkiefer geweitet und die Backenzähne standen gerade, ohne feste Apparatur. Die fachlichen Hintergründe haben wir in unserer Fachpublikation zur Aligner-Orthodontie bei Kindern beschrieben, den Ablauf aus Elternsicht im Behandlungsbeispiel: Aligner-Behandlung bei einem Kind.
Wann Aligner bei Kindern nicht die richtige Wahl sind
Nicht jede Fehlstellung im Kindesalter lässt sich mit Schienen behandeln. Geht es darum, das Wachstum eines Kiefers zu lenken, oder ist die Fehlstellung sehr ausgeprägt, sind andere Frühbehandlungsgeräte oder später eine feste Zahnspange oft der sicherere Weg. Und wenn ein Kind die Schienen nicht zuverlässig trägt, ist eine feste Apparatur meist die bessere Lösung. Das besprechen wir vor der Entscheidung offen mit Ihnen und Ihrem Kind.
Ist mein Kind ein Kandidat?
Ob eine Aligner-Behandlung für Ihr Kind infrage kommt, hängt von der individuellen Situation ab. Am besten lässt sich das in einem persönlichen Gespräch klären. Gern schauen wir uns die Zähne Ihres Kindes an und beraten Sie, welche Behandlung sinnvoll ist.
- Schupp, W., Funke, J., & Haubrich, J. (2020). Der digitale Workflow in der In-Office-Alignertherapie. Informationen aus Orthodontie & Kieferorthopädie, 52(4), 289–300. doi:10.1055/a-1241-9967
- Funke, J. (heute Steinmaier), Haubrich, J., & Schupp, W. (2020). Aligner-Orthodontie bei Kindern. Dentista, 01/2020, 16–18.
- Abbate, G. M., Caria, M. P., Montanari, P., Mannu, C., Orrù, G., Caprioglio, A., & Levrini, L. (2015). Periodontal health in teenagers treated with removable aligners and fixed orthodontic appliances. Journal of Orofacial Orthopedics, 76(3), 240–250. doi:10.1007/s00056-015-0285-5
Häufig gestellte Fragen zu durchsichtigen Zahnspangen für Kinder
Ab welchem Alter sind durchsichtige Schienen für Kinder geeignet?
Das hängt weniger vom Alter ab als von der Fehlstellung und davon, wie weit der Zahnwechsel ist. Einzelne Befunde wie ein Kreuzbiss an den Schneidezähnen lassen sich schon im frühen Wechselgebiss mit Alignern behandeln; unsere Patientin im Beispiel war acht Jahre alt. Für andere Frühbehandlungen eignen sich herausnehmbare Platten oder andere Geräte besser. Den richtigen Zeitpunkt bestimmen wir nach einer Untersuchung.
Sind Aligner für Kinder genauso wirksam wie eine feste Zahnspange?
Bei vielen Fehlstellungen sind Aligner eine wirksame Alternative. Voraussetzung ist die Mitarbeit: Die Schienen wirken nur, wenn sie konsequent getragen werden. Bei komplexen Fehlstellungen kann eine feste Zahnspange die bessere Wahl sein.
Wie lange muss mein Kind die Schienen tragen?
Für ein gutes Ergebnis sollten die Schienen etwa 22 Stunden pro Tag getragen und nur zum Essen und Zähneputzen herausgenommen werden. Diese Disziplin ist die wichtigste Voraussetzung für den Behandlungserfolg.
Was passiert, wenn mein Kind eine Schiene verliert oder beschädigt?
Das kann vorkommen. Wichtig ist, uns zeitnah zu informieren – meist wird dann die vorherige Schiene weitergetragen oder die aktuelle neu angefertigt, damit sich die Zähne nicht zurückbewegen.
Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung bei Kindern?
Ist eine Behandlung medizinisch nötig, richtet sich die Kostenübernahme nach den kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG). Bei KIG 3 bis 5 gilt: Die gesetzliche Krankenkasse zahlt 80 Prozent der Kosten direkt; den Eigenanteil von 20 Prozent erstattet sie nach erfolgreichem Abschluss der Behandlung zurück. Aligner gehören aber nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen; durchsichtige Schienen sind immer eine private Leistung. Bei Kindern und Jugendlichen mit KIG 3 bis 5 bleibt die Regelversorgung mit fester Zahnspange die Kassenleistung. Entscheidet sich die Familie stattdessen für Aligner, ist die Behandlung eine Privatleistung – die Kasse beteiligt sich daran nicht. Die Kosten legen wir Ihnen vorab dar; auf Wunsch zahlen Sie in Raten bis zu 18 Monate zinsfrei direkt über unsere Praxis.
Wie oft müssen wir während der Behandlung in die Praxis?
Die Schienen wechselt Ihr Kind zu Hause selbst. Zur Kontrolle sehen wir Sie etwa alle sechs bis acht Wochen. Den Erstberatungstermin buchen Sie online oder unter 0221 93 53 020; danach erhalten Sie per SMS oder E-Mail den Link zu unserer digitalen Anamnese „Nelly“.
Dr. Julia Steinmaier
Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.
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Fachlich geprüft von Dr. med. dent. Julia Steinmaier, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · Zuletzt geprüft am 27.06.2026
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