Airway Orthodontics: Was steckt dahinter?

Airway Orthodontics ist ein atemwegsorientierter (engl. airway focused) Ansatz innerhalb der Kieferorthopädie, der neben der Zahnstellung auch die Funktion der oberen Atemwege (airway), die Entwicklung des Gesichtsschädels und die Funktion von Zunge und Lippen in die Diagnostik und Behandlungsplanung einbezieht. Es handelt sich um einen Behandlungsansatz, der über die reine Zahnkorrektur hinausgeht und die Bedeutung der Atemwege für Gesundheit, Schlafqualität und Kieferentwicklung in den Mittelpunkt stellt.

Der Begriff stammt aus dem englischsprachigen Raum und wird zunehmend auch im deutschsprachigen Fachdiskurs verwendet. Dieser Beitrag erklärt, was Airway Orthodontics genau ist, ordnet das Konzept wissenschaftlich ein und zeigt, in welchen Situationen ein atemwegsorientierter Blick auf kieferorthopädische Befunde sinnvoll sein kann.

Was ist Airway Orthodontics?

Airway Orthodontics bezeichnet einen erweiterten kieferorthopädischen Behandlungsansatz, bei dem Form und Funktion der oberen Atemwege als zusätzliches Bewertungskriterium in Diagnostik und Therapieplanung einfließen. Kieferorthopädie und Atemwege (orthodontics and airway) sind dabei eng miteinander verbunden, da die Entwicklung der Kieferstruktur (jaw structure) direkten Einfluss auf die Atmungsfunktion (airway function) hat. Im Mittelpunkt steht die Beobachtung, dass die Entwicklung des Oberkiefers (upper jaw), die Position des Unterkiefers, die Lage der Zunge (tongue posture) und die Atemmuster (breathing patterns) funktionell zusammenhängen.

Die klassische Kieferorthopädie konzentriert sich auf die Korrektur von Zahn- und Kieferfehlstellungen mit Fokus auf Okklusion und Ästhetik. Der atemwegsorientierte Ansatz erweitert diesen Blickwinkel um Fragen wie: Wird durch die Nase oder durch den Mund geatmet? Liegt die Zunge in Ruhe am Gaumen an? Ist der Oberkiefer ausreichend breit für eine physiologische Zungenposition? Gibt es Hinweise auf eine Verengung der oberen Atemwege?

Im Unterschied zu rein zahnorientierten Methoden, die anatomische und funktionelle Ursachen oft nicht systematisch berücksichtigen, ist Airway Orthodontics typischerweise Teil eines interdisziplinären Vorgehens. Insbesondere bei Kindern (children) wird in der Fachliteratur eine frühzeitige kieferorthopädische und funktionelle Untersuchung diskutiert, um Entwicklungsstörungen rechtzeitig zu erkennen. Das Ziel besteht darin, nicht nur Symptome, sondern mögliche Ursachen wie eine Weichteilfunktionsstörung (soft tissue dysfunction) oder eine ungünstige Zungenruhelage zu adressieren.

Wichtig ist die Einordnung: Airway Orthodontics ist keine eigene Fachrichtung und keine offiziell zertifizierte Spezialisierung. Es handelt sich um eine erweiterte diagnostische und therapeutische Perspektive innerhalb der Kieferorthopädie, die in der internationalen Fachliteratur zum Thema airway treatment diskutiert wird.

Inhaltsverzeichnis

Über die Autorin

Bild von Dr. Julia Steinmaier

Dr. Julia Steinmaier

Fachzahnärztin für Kieferorthopädie
Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.

Die wissenschaftliche Grundlage

Der Zusammenhang zwischen kraniofazialer Entwicklung, Kieferwachstum und den Atemwegen ist in der medizinischen Literatur seit Jahrzehnten beschrieben. Die Wechselwirkungen zwischen airway function, breathing patterns und Kieferentwicklung gelten als multifaktoriell und nicht als einfache Ursache-Wirkung-Beziehung.

Mehrere Studien dokumentieren, dass eine kieferorthopädische Erweiterung des Oberkiefers (Gaumennahterweiterung, GNE) das nasale Atemvolumen und den Nasenluftfluss messbar verbessern kann. Auch der subjektiv empfundene Atemkomfort der Patientinnen und Patienten verbessert sich häufig, wobei das Ausmaß individuell stark variiert und sich nicht zuverlässig vorhersagen lässt.

Bei Kindern mit kraniofazialen Anomalien und obstruktiver Schlafapnoe (obstructive sleep apnea, OSA) werden kieferorthopädische Maßnahmen in der Fachliteratur als kausale Behandlungsoption (airway treatment) diskutiert – allerdings ausdrücklich im Rahmen einer interdisziplinären Versorgung mit Schlafmedizin und HNO-Heilkunde. Die Studienlage zur Wirksamkeit ist heterogen; weitere Forschung gilt als notwendig, um klare Behandlungsempfehlungen zu formulieren.

Die drei Säulen des atemwegsorientierten Ansatzes

Atemwege und Nasenatmung

Die airway bezeichnet den Atemweg, durch den Luft in die Lunge gelangt – ein zentrales Element für Gesundheit, Schlafqualität und die Entwicklung von Kiefer und Gesicht. Eine freie Nasenatmung gilt als physiologischer Standard. Chronische Mundatmung (mouth breathing) kann ein Hinweis auf anatomische oder funktionelle Engstellen im Bereich von Nase, Rachen oder Gaumen sein. Mögliche Ursachen sind unter anderem vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln, ein schmaler Oberkiefer (the upper jaw), eine verbogene Nasenscheidewand oder eine niedrige Zungenruhelage. Ein schmaler Oberkiefer ist häufig mit einer verengten Nasenhöhle verbunden, was den Atemweg zusätzlich beeinträchtigen kann. Die Klärung dieser Ursachen erfolgt in aller Regel interdisziplinär und nicht ausschließlich kieferorthopädisch.

Kiefer- und Gesichtsentwicklung

Form und Größe von Ober- und Unterkiefer (jaws) beeinflussen den verfügbaren Raum für Zähne und Zunge (teeth and tongue) und damit auch die Atemwege. Eine gesunde Kieferentwicklung (jaw development) kann sich positiv auf die Effizienz der Atemwege, die Gesichtsform und die langfristige Zahngesundheit auswirken; bei einem zu schmalen Oberkiefer kann eine Gaumennahterweiterung (palatal expansion) dazu beitragen, den Kieferraum zu verbreitern. Ein schmaler oder zu kleiner Oberkiefer kann eine ungünstige Zungenposition begünstigen und in der Folge mit Atemwegsproblemen (airway issues) einhergehen. Bei wachsenden Patientinnen und Patienten lassen sich diese Strukturen kieferorthopädisch beeinflussen, etwa durch Verfahren wie die Gaumennahterweiterung. Bei Erwachsenen sind die skelettalen Optionen begrenzter, da das Gesichtswachstum abgeschlossen ist.

Funktion von Zunge und Muskulatur

Zunge, Lippen und mimische Muskulatur prägen die Form des Zahnbogens und beeinflussen die airway function lebenslang mit. Die Position der Zunge (the tongue) spielt eine zentrale Rolle für das korrekte Schlucken, die Offenhaltung der Atemwege und die Entwicklung des Kiefers. Eine niedrige Zungenruhelage, ein offener Lippenschluss oder ein atypisches Schluckmuster werden in der orofazialen Myofunktion betrachtet. Weichteilfunktionsstörungen (soft tissue dysfunction) können zur Entstehung von Fehlstellungen beitragen und werden im Rahmen einer kieferorthopädischen Versorgung (orthodontic care) gezielt einbezogen. Myofunktionelle Therapie wird häufig ergänzend zu kieferorthopädischen Maßnahmen eingesetzt – die Evidenzlage zur isolierten Wirksamkeit ist jedoch unterschiedlich bewertet.

Für wen kann ein atemwegsorientierter Blick relevant sein?

Bei Kindern

Bei Kindern werden in der Literatur unter anderem folgende Beobachtungen als Anlass für eine atemwegsorientierte Befundung (airway assessment) beschrieben: dauerhafte Mundatmung (mouth breathing), regelmäßiges Schnarchen, unruhiger Schlaf (sleep), häufige Atemwegsinfekte, ausgeprägte dunkle Augenringe oder ein offener Lippenschluss in Ruhe. Diese Hinweise sind unspezifisch und können viele Ursachen haben. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose, können aber Anlass für eine kieferorthopädische und gegebenenfalls interdisziplinäre Untersuchung sein.

Insbesondere bei diagnostizierter obstruktiver Schlafapnoe (obstructive sleep apnea) im Kindesalter sollten zunächst HNO-ärztliche Befunde (etwa zu Adenoiden und Tonsillen) abgeklärt werden, bevor kieferorthopädische Maßnahmen (airway treatment) in Betracht gezogen werden.

Bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen werden atemwegsbezogene Fragestellungen (airway concerns) vor allem im Zusammenhang mit ärztlich diagnostizierter obstruktiver Schlafapnoe (obstructive sleep apnea), mit Schnarchen oder mit Beschwerden des Kiefergelenks (CMD) diskutiert; bei diagnostizierter Schlafapnoe kann eine Schnarchschiene zur Behandlung der Schlafapnoe eine schonende Therapieoption sein. Kieferorthopädisch angefertigte Unterkiefer-Protrusionsschienen sind eine etablierte Behandlungsmöglichkeit bei leichter bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe und werden in entsprechenden Leitlinien geführt. Detaillierte Informationen zu diesem Therapieweg finden sich auf der Seite zu Schnarchen und Schlafapnoe. Skelettale Veränderungen sind bei Erwachsenen nur eingeschränkt möglich. Die Behandlung konzentriert sich daher häufiger auf funktionelle und apparative Lösungen sowie auf interdisziplinäre Abstimmung mit Schlafmedizin und HNO.

Diagnostische Bausteine

Eine atemwegsorientierte Befundung (airway evaluation) im kieferorthopädischen Kontext kann folgende Elemente umfassen:

Die klinische Untersuchung erfasst neben Zahnstellung und Bissverhältnissen (teeth und bite alignment) auch die Lippenruhe, die Zungenposition, den Lippenschluss und das Atemmuster (breathing pattern). Die bildgebende Diagnostik kann je nach Indikation um dreidimensionale Verfahren wie ein DVT (digitales Volumentomogramm) ergänzt werden, das eine Beurteilung von Knochenstrukturen und Atemwegsraum (airway space) ermöglicht. Eine Atemwegsanalyse kann die räumlichen Verhältnisse im Bereich des Nasen- und Rachenraums quantifizieren. Bei Verdacht auf eine schlafbezogene Atmungsstörung (sleep disordered breathing) erfolgt eine Überweisung an die Schlafmedizin zur Polysomnographie. Die orofazial-myofunktionelle Befundung dokumentiert Zungen-, Schluck- und Atemfunktion.

Welche dieser Bausteine im Einzelfall sinnvoll sind, ergibt sich aus der individuellen Befundsituation und gehört in die Hand eines Facharztes oder einer Fachärztin für Kieferorthopädie (orthodontist), die nicht nur die Zahnstellung, sondern auch die Atemwege und die strukturelle Gesundheit des Kiefers beurteilen kann.

Behandlungsoptionen im atemwegsorientierten Kontext

Die folgenden Verfahren werden in der Literatur im Zusammenhang mit Airway Orthodontics diskutiert. Sie sind keine spezifischen „Airway-Verfahren“, sondern etablierte kieferorthopädische und interdisziplinäre Behandlungswege, die je nach Befund eingesetzt werden. Über die Anwendung des jeweiligen Therapiemittels entscheidet zuletzt immer die Kieferorthopädin.

Die Gaumennahterweiterung (GNE) zählt zu den am besten untersuchten Verfahren. Sie verbreitert den Oberkiefer und kann das Nasenvolumen positiv beeinflussen. Funktionskieferorthopädische Geräte können bei wachsenden Patientinnen und Patienten genutzt werden, um das Kieferwachstum (jaw growth) zu lenken. Festsitzende oder herausnehmbare Apparaturen – einschließlich Aligner und festsitzender Brackets (braces) – werden eingesetzt, um Zahnstellung (tooth alignment) und Bissverhältnisse (bite alignment) zu korrigieren; detaillierte Informationen zu festen Zahnspangen zur Korrektur von Fehlstellungen zeigen, wie solche Apparaturen in verschiedenen Behandlungskonzepten eingesetzt werden können; bei atemwegsorientierten Ansätzen liegt der Schwerpunkt zusätzlich auf der Unterstützung von Atmung und Kieferentwicklung. Unterkiefer-Protrusionsschienen werden bei Erwachsenen mit leichter bis mittelgradiger Schlafapnoe (sleep apnea) als evidenzbasierte Behandlungsoption (airway treatment) eingesetzt; bei begleitenden Beschwerden im Kiefergelenk können zusätzlich Therapieoptionen bei Kieferknacken relevant werden. Myofunktionelle Therapie ergänzt die Behandlung durch Übungen zur Verbesserung der Zungenposition (tongue posture), des Lippenschlusses und des Schluckmusters und kann in ein umfassendes, funktionsorientiertes Therapiekonzept eingebettet sein.

Eine frühzeitige kieferorthopädische Untersuchung kann helfen, atemwegsrelevante Befunde zu erkennen und die Entwicklung von Gesicht und Kiefer zu unterstützen. Welche Maßnahme im Einzelfall sinnvoll ist – und ob überhaupt eine kieferorthopädische Indikation besteht – ergibt sich ausschließlich aus einer individuellen Befundung.

Zusammenhang mit Mundatmung

Die Folgen einer chronischen Mundatmung (mouth breathing) sind ein zentraler Berührungspunkt zwischen klassischer und atemwegsorientierter Kieferorthopädie. Im Verständnis von Atemwegen, Atmung und Kieferorthopädie (airway and breathing and orthodontics) wird deutlich, dass diese Bereiche eng mit Schlafqualität und allgemeiner Gesundheit verbunden sind. Mundatmung kann sowohl Ursache als auch Folge struktureller oder funktioneller Auffälligkeiten sein. Eine isolierte kieferorthopädische Behandlung ohne Klärung der Atmungsursache greift in vielen Fällen zu kurz. Umgekehrt kann eine alleinige HNO-Behandlung – etwa der Adenoide – ohne Berücksichtigung der Kieferentwicklung ebenfalls unvollständig bleiben; sinnvoll ist häufig die Einbettung in ein umfassendes Konzept, wie es eine fachzahnärztliche Kieferorthopädiepraxis mit interdisziplinärer Ausrichtung bieten kann.

Genau diese Schnittstellen-Perspektive ist der Kernbeitrag eines atemwegsorientierten (airway focused) Blicks: das Erkennen, wann eine kieferorthopädische Befundung Teil eines größeren, interdisziplinären Bildes sein sollte.

Warum Airway Orthodontics über die Zahnstellung hinausgeht

Airway Orthodontics beschreibt keine neue Behandlungsmethode, sondern einen erweiterten Blickwinkel innerhalb der Kieferorthopädie. Im Mittelpunkt steht das Verständnis, dass Zähne, Kieferwachstum (teeth and jaw growth), Atmungsfunktion (airway function), Atemmuster (breathing patterns) und Muskelfunktion miteinander zusammenhängen. Wissenschaftlich belastbar sind insbesondere einzelne Verfahren wie die Gaumennahterweiterung und Unterkiefer-Protrusionsschienen. Die Wirksamkeit eines übergreifenden airway treatment-Konzepts ist Gegenstand laufender Forschung und sollte mit angemessener fachlicher Zurückhaltung kommuniziert werden.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das vor allem eines: Wer Anzeichen wie chronische Mundatmung, auffällige Atemmuster oder Hinweise auf eine schlafbezogene Atmungsstörung (sleep disordered breathing) beobachtet, ist gut beraten, diese Themen in der kieferorthopädischen Befundung anzusprechen – idealerweise im Zusammenspiel mit den behandelnden Hausärztinnen, HNO-Fachärzten und gegebenenfalls Schlafmedizinerinnen.

Häufig gestellte Fragen

Ist Airway Orthodontics wissenschaftlich anerkannt?

Der Begriff „Airway Orthodontics“ ist keine offizielle Fachbezeichnung. Die zugrundeliegenden Zusammenhänge zwischen Kieferwachstum (jaw growth), Atemwegen und Atmung (breathing) sind hingegen in der medizinischen Literatur dokumentiert. Einzelne Verfahren – insbesondere die Gaumennahterweiterung und Unterkiefer-Protrusionsschienen – sind wissenschaftlich gut untersucht. Die Wirksamkeit eines pauschalen airway treatment-Konzepts wird jedoch nicht einheitlich bewertet und ist Gegenstand laufender Forschung.

Ab welchem Alter ist eine atemwegsorientierte kieferorthopädische Untersuchung sinnvoll?

In der internationalen Literatur wird eine erste atemwegsorientierte Befundung (airway evaluation) häufig schon im Alter von etwa sieben Jahren empfohlen, da in dieser Phase Wachstumsmuster (growth patterns) aktiv beeinflusst werden können. Bei deutlichen Hinweisen wie persistenter Mundatmung, regelmäßigem Schnarchen oder unruhigem Schlaf kann auch eine frühere Vorstellung sinnvoll sein.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Die Kostenübernahme richtet sich nach den jeweiligen kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) der gesetzlichen Krankenversicherung. Verfahren wie die Gaumennahterweiterung sind bei medizinischer Indikation in der Regel Kassenleistung. Bei privatzahnärztlichen Zusatzleistungen oder spezifischen Diagnoseverfahren – etwa DVT-Aufnahmen – können Eigenanteile entstehen. Eine verbindliche Auskunft erfolgt nach individueller Befundung und Behandlungsplan (treatment plan).

Brauche ich zusätzlich einen HNO-Arzt oder Schlafmediziner?

In vielen Fällen ja. Insbesondere beim Verdacht auf eine Schlafapnoe (sleep apnea) ist eine schlafmedizinische Diagnostik durch einen entsprechend qualifizierten Arzt unerlässlich. HNO-ärztliche Befunde sind wichtig, um anatomische Engstellen oder vergrößerte Mandeln auszuschließen oder zu behandeln. Eine atemwegsorientierte kieferorthopädische Behandlung ersetzt keine medizinische Diagnostik – sie ist ein Baustein in einem interdisziplinären Versorgungsnetz.

Worin unterscheidet sich Airway Orthodontics von einer „normalen“ kieferorthopädischen Behandlung?

Der Unterschied liegt nicht primär in den Methoden, sondern in der diagnostischen Perspektive. Funktion, Atmung und Wechselwirkungen mit benachbarten Fachgebieten erhalten ein höheres Gewicht in der Befundung und Therapieplanung. Eine sorgfältig geführte klassische Kieferorthopädie berücksichtigt diese Aspekte ohnehin – der atemwegsorientierte (airway focused) Begriff macht sie lediglich expliziter.

Woher stammt der Begriff Airway Orthodontics?

Der Begriff stammt aus dem englischsprachigen Fachdiskurs, vor allem aus den USA. Verschiedene Praxen, Fachgesellschaften und Weiterbildungsanbieter haben ihn in den vergangenen Jahren popularisiert. Im deutschsprachigen Raum etabliert sich der Begriff zunehmend, ohne bislang Eingang in offizielle Leitlinien gefunden zu haben.

Quellen:
  • Ramar, K., Dort, L. C., Katz, S. G., et al. (2015). Clinical Practice Guideline for the Treatment of Obstructive Sleep Apnea and Snoring with Oral Appliance Therapy: An Update for 2015. Journal of Clinical Sleep Medicine, 11(7), 773–827. https://doi.org/10.5664/jcsm.4858
  • Baratieri, C., Alves, M., de Souza, M. M. G., et al. (2011). Does rapid maxillary expansion have long-term effects on airway dimensions and breathing? American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics, 140(2), 146–156. https://doi.org/10.1016/j.ajodo.2011.02.019
  • Marcus, C. L., Brooks, L. J., Draper, K. A., et al. (2012). Diagnosis and Management of Childhood Obstructive Sleep Apnea Syndrome. Pediatrics, 130(3), 576–584. https://doi.org/10.1542/peds.2012-1671

Fachlich geprüft von Dr. med. dent. Julia Steinmaier, Fachzahnärztin für Kieferorthopädie · Zuletzt geprüft am 27.06.2026

Kind atmet ruhig durch die Nase im Profil – Airway Orthodontics bei Kindern, JUST KFO Köln