Fachpublikation

CA Pro Folie: Innovation in der Kieferorthopädie

Auf einen Blick
Für Patient:innen

Das Material, aus dem Aligner bestehen, beeinflusst die Behandlung. Der Beitrag beschreibt die Eigenschaften einer neuen Schienenfolie und erste klinische Anwendungen.

Für Fachkolleg:innen

Materialeigenschaften und erste klinische Anwendungen der Alignerfolie CA Pro.

Passende Behandlung in unserer Praxis: Durchsichtige Zahnspange (Aligner)

Was ist CA Pro – und warum ist das Material wichtig?

Durchsichtige Zahnschienen, sogenannte Aligner, bewegen Zähne nicht durch Drähte und Brackets, sondern durch das Material selbst: Die hauchdünne Kunststoffschiene wird minimal anders geformt als die aktuelle Zahnstellung und übt dadurch sanften, kontinuierlichen Druck aus. Wie gut eine Behandlung funktioniert, hängt deshalb ganz wesentlich davon ab, woraus die Schiene besteht. Genau hier setzt CA Pro an – eine neuartige Aligner-Folie des Herstellers Scheu Dental, die in dieser Fachpublikation vorgestellt und an zwei Behandlungsfällen erprobt wird.

Herkömmliche Aligner bestehen meist aus einer einzigen Kunststoffschicht (PET-G) oder mehrlagigem Polyurethan. Ihr typisches Verhalten: Sie üben anfangs eine hohe Kraft aus, die jedoch innerhalb weniger Stunden stark nachlässt. Für Patientinnen und Patienten bedeutet die hohe Anfangskraft oft ein unangenehmes Druckgefühl, und die rasch abfallende Kraft kann die Zahnbewegung weniger gleichmäßig machen. Ein ideales Aligner-Material hätte daher eine niedrigere Anfangskraft, die dafür über längere Zeit konstant bleibt.

Der Aufbau: drei Schichten statt einer

CA Pro ist als dreischichtige Verbundfolie aufgebaut (Fachbegriff: ABA-Folie). Außen liegen zwei harte Schichten aus abriebfestem Copolyester, in der Mitte eine weiche Schicht aus einem thermoplastischen Elastomer. Dieser „hart-weich-hart“-Aufbau verbindet zwei Eigenschaften, die sich sonst widersprechen: Die harten Außenlagen sorgen für Stabilität und Formtreue, die weiche Kernschicht für Elastizität und eine gleichmäßige Kraftabgabe. Die Folie ist in den Stärken 0,50, 0,65 und 0,75 mm erhältlich und wird bei 150 bis 175 °C tiefgezogen.

Was die Labortests zeigen

Um das Verhalten der neuen Folie objektiv zu beurteilen, wurde sie im Labor mit einem herkömmlichen Aligner-Material verglichen – unter Bedingungen, die den Einsatz im Mund nachbilden (Biegetests im 37 °C warmen Wasserbad über viele Stunden). Drei Ergebnisse sind für die Praxis besonders relevant:

  • Konstantere Kraft: Während das herkömmliche Material nach 24 Stunden nur noch rund 38 % seiner Anfangskraft hielt, behielt CA Pro etwa 51 %. Die Kraft fällt also langsamer ab und wirkt gleichmäßiger über die Tragezeit.
  • Niedrigere Anfangskraft: CA Pro startet mit deutlich geringerer Kraft. Das erhöht den Tragekomfort, gerade in den ersten Stunden nach dem Wechsel auf eine neue Schiene.
  • Bessere Rückstellung (weniger bleibende Verformung): Nach mehreren Belastungszyklen verformte sich das herkömmliche Material dauerhaft deutlich stärker als CA Pro. Eine Schiene, die ihre Form besser behält, überträgt ihre Kraft über eine längere Strecke der Zahnbewegung.

Zusätzlich wurde die Verfärbungsneigung geprüft, indem Proben längere Zeit in Kaffee, Tee, Cola, Rotwein und Cognac gelegt wurden. Bei CA Pro traten Verfärbungen im Wesentlichen nur an den Schnittkanten auf, nicht großflächig – ein Vorteil für die unauffällige Optik während der Behandlung.

Zwei Behandlungsbeispiele aus der Praxis

Eine 36-jährige Patientin mit Engständen

Eine 36-jährige Patientin hatte Engstände der Frontzähne in Ober- und Unterkiefer sowie einen beginnenden Zahnfleischrückgang mit keilförmigen Defekten. Behandelt wurde mit CA Pro-Schienen, ergänzt durch ein minimales, gezieltes Beschleifen der Zahnzwischenräume, um Platz zu schaffen und weiteren Schaden zu vermeiden. Das Material zeigte sich beim Einsetzen spürbar elastischer als gewohnt, was den Tragekomfort verbesserte. Bereits nach zehn Wochen waren die Zahnreihen deutlich begradigt; nach insgesamt 16 Wochen war ein sehr gutes Ergebnis erreicht und wurde mit festen Retainern gesichert.

Ein 31-jähriger Patient mit In-Office-Behandlung

Ein 31-jähriger Patient wünschte sich eine Korrektur leichter Engstände. Seine Schienen wurden vollständig in der eigenen Praxis (In-Office) geplant und gefertigt – von der digitalen Abformung über die 3D-Planung bis zum Druck der Modelle. Eine sorgfältige Voruntersuchung mit Kurzscreening schloss eine Kiefergelenkstörung aus. Über zwei Behandlungsphasen mit insgesamt 24 Schienen wurde der Biss harmonisiert, wobei die Backenzähne bewusst stabil gehalten wurden. Nach neun Monaten war das Ziel erreicht und wurde mit einem festen Retainer im Unterkiefer und einer Nachtschiene im Oberkiefer gesichert.

Was bedeutet das für die Behandlung?

Die Materialeigenschaften von CA Pro – niedrigere, dafür konstantere Kraft und bessere Rückstellung – sind nicht nur Labordaten, sondern haben einen spürbaren Nutzen: Eine sanftere Anfangskraft kann das Tragen angenehmer machen, und eine gleichmäßigere Kraftabgabe unterstützt eine kontinuierliche, vorhersehbare Zahnbewegung. Beides kann die Mitarbeit fördern, denn Aligner wirken nur, wenn sie konsequent 20 bis 22 Stunden am Tag getragen werden. Besonders interessant ist das Material für die Behandlung mit durchsichtigen Schienen im Rahmen einer Kieferorthopädie für Erwachsene, die Wert auf eine diskrete und komfortable Lösung legen.

In beiden vorgestellten Fällen wurden die geplanten Ziele ohne zusätzliche Zwischenschritte erreicht. Wichtig bleibt jedoch die wissenschaftliche Einordnung: Es handelt sich um erste klinische Erfahrungen mit einem neuen Material. Größere Studien sind nötig, um den langfristigen Nutzen abschließend zu belegen. Die Praxis Dr. Steinmaier setzt neue Materialien wie CA Pro daher gezielt und auf Basis sorgfältiger Diagnostik ein – immer abgestimmt auf die individuelle Situation.

Was die CA Pro Folie in der Praxis bringt

CA Pro ist ein Beispiel dafür, wie Fortschritte beim Material die Aligner-Therapie spürbar verbessern können: niedrigere Kräfte für mehr Komfort, konstantere Kraftabgabe für eine gleichmäßige Zahnbewegung und eine gute Eignung für die digitale Fertigung in der eigenen Praxis. Für viele Erwachsene, die sich eine unauffällige Zahnkorrektur wünschen, erweitert das die Möglichkeiten – stets eingebettet in eine fundierte Planung.

Autoren: Dr. Henriette Luise Bock, Dr. Jens Johannes Bock, Dr. Fabian Karbach, Dr. Björn Ludwig, Dr. Werner Schupp, Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke), Dr. Julia Haubrich

Quelle: Bock, H. L., Bock, J. J., Karbach, F., Ludwig, B., Schupp, W., Funke, J., & Haubrich, J. (2022). Material properties and first clinical applications of CA Pro, a novel aligner foil. Journal of Aligner Orthodontics, 6(3), 163–181.