Die größten Mythen über Zahnspangen – was wirklich stimmt

17.06.2025Dr. Julia Steinmaierca. 7 Min. Lesezeit

Worum es hier geht: die häufigsten Irrtümer über Zahnspangen – vor allem bei Erwachsenen, die mit einer Behandlung liebäugeln. Was eine Behandlung kostet und wer sie zahlt, steht in Was kostet eine Zahnschiene? und Außervertragliche Leistungen. Zur Behandlung selbst: Kieferorthopädie für Erwachsene.

In der Erstberatung hören wir bestimmte Sorgen immer wieder: zu alt, zu sichtbar, zu teuer, zu schmerzhaft. Wir gehen die häufigsten Irrtümer der Reihe nach durch und sagen jeweils, was stimmt und wo es Einschränkungen gibt.

Mythos 1: „Zahnspangen sind nur was für Kinder und Teenager“

Falsch. Immer mehr Erwachsene lassen sich kieferorthopädisch behandeln – und das aus guten Gründen. Ob aus Motiven der Optik, zur Bisskorrektur oder zur Vorbereitung auf Zahnersatz: Zähne lassen sich in jedem Alter bewegen, wenn Zähne und Zahnhalteapparat gesund sind. Bei Erwachsenen planen wir häufig enger mit der Zahnärztin oder dem Parodontologen zusammen, etwa vor Zahnersatz. Bei Erwachsenen über 40 hängt eine Fehlstellung oft mit Knochenabbau am Zahnhalteapparat zusammen: Je stärker der Abbau, desto ausgeprägter waren in einer Studie vorstehende und verschachtelte Frontzähne (Meyer-Marcotty et al. 2021)6. Eine Parodontitis wird deshalb zuerst behandelt. Viele unserer Patientinnen und Patienten sind zwischen 30 und 70 Jahre alt. Dank moderner, unauffälliger Systeme wie Keramikbrackets oder Aligner fällt die Behandlung im Alltag oft kaum auf.

Mythos 2: „Zahnspangen sind immer sichtbar und peinlich“

Dieser Gedanke ist längst überholt. Es gibt transparente Keramikbrackets, selbstligierende Minibrackets und durchsichtige Aligner. Welche Variante infrage kommt, hängt vom Befund ab; nicht jede Fehlstellung lässt sich mit jedem System gleich gut behandeln. Aligner sind eine Privatleistung, die gesetzliche Kasse beteiligt sich daran nicht.

Mythos 3: „Zahnspangen sind immer teuer und nicht bezahlbar“

Die Kosten einer Behandlung variieren je nach Methode, Dauer und individuellen Anforderungen. Wichtig zu wissen: Bei Kindern und Jugendlichen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Regelversorgung, wenn die Fehlstellung mindestens in den Behandlungsbedarfsgrad 3 der kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) eingestuft wird.4 Die Krankenkasse übernimmt 80 Prozent der Kosten direkt; den Eigenanteil von 20 Prozent erstattet sie nach erfolgreich abgeschlossener Behandlung zurück.5 Erwachsene ab 18 Jahren zahlen die Behandlung grundsätzlich selbst; die Kasse übernimmt sie nur bei schweren Kieferfehlstellungen, die zusätzlich einen kieferchirurgischen Eingriff erfordern. Eine Zahnzusatzversicherung hilft nur, wenn sie vor der Feststellung des Behandlungsbedarfs abgeschlossen wurde. Bei uns können Sie Privatleistungen in Raten zahlen, bis zu 18 Monate zinsfrei direkt über die Praxis. Ob gesetzlich oder privat versichert: Diagnostik, Beratung und Betreuung sind bei uns für alle Patientinnen und Patienten gleich.

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Mythos 4: „Mit einer festen Zahnspange kann ich nichts mehr essen“

Natürlich gibt es Einschränkungen – besonders bei sehr harten oder klebrigen Lebensmitteln. Doch der Speiseplan muss keineswegs einseitig werden. Die meisten Lieblingsgerichte sind weiterhin problemlos möglich. Die wichtigste Regel: lieber schneiden als abbeißen. Apfel, Brötchen oder Karotte kommen in kleinen Stücken in den Mund. Nüsse, harte Brötchenkrusten, Karamell, Toffee und Popcorn meiden Sie besser, weil sich daran Brackets lösen oder Reste hängen bleiben. Weitere Beispiele stehen in Zahnspange im Alltag.

Mythos 5: „Zahnspangen verursachen immer starke Schmerzen“

Eine gewisse Eingewöhnung ist normal – vor allem direkt nach dem Einsetzen oder bei Kontrollterminen. Doch die heutigen Zahnspangen arbeiten mit vergleichsweise geringen Kräften. Eine Übersichtsarbeit fand bei Alignern am dritten und vierten Tag weniger Schmerzen als bei fester Zahnspange, zu den übrigen Zeitpunkten keinen Unterschied (Li et al. 2023)7. Ein Druckgefühl in den ersten Tagen ist normal. Reicht das nicht aus, sind Schmerzmittel eine Möglichkeit: Ein Cochrane-Review sieht dafür einen Nutzen gegenüber einem Scheinmedikament, stuft die Evidenz aber als moderat bis niedrig ein.1 Halten starke Beschwerden an, gehören sie in die Praxis besprochen – nicht ausgehalten.

Mythos 6: „Die Behandlung dauert ewig“

Wie lange eine Behandlung dauert, hängt von der individuellen Ausgangssituation ab. Die voraussichtliche Dauer nennen wir Ihnen nach der Untersuchung und Planung; sie kann sich verlängern, wenn Termine ausfallen oder Aligner nicht lange genug getragen werden. Komplexere Fälle benötigen mehr Zeit; eine systematische Übersicht zur Behandlung mit fester Zahnspange nennt als Größenordnung rund 20 Monate, mit erheblicher Streuung je nach Befund.2 Mit digitaler Planung am Scan können wir den Ablauf vorab am Bildschirm zeigen.

Mythos 7: „Zahnspangen machen die Zahnpflege unmöglich“

Richtig ist: Mit einer festen Zahnspange ist die Zahnpflege etwas aufwendiger. Falsch ist, dass sie unmöglich wird. Mit speziellen Hilfsmitteln – Interdentalbürsten, Zahnseide mit Einfädelhilfe, elektrische Zahnbürste – ist eine gründliche Reinigung gut zu schaffen. Sie braucht allerdings mehr Zeit und mehr Konsequenz als vorher. Ob zusätzliches Fluorid vor Entkalkungen um die Brackets schützt, hat ein Cochrane-Review untersucht; die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz ist dort ausdrücklich niedrig.3 Wie die Reinigung praktisch geht, steht in Zahnspange reinigen. Die zahnärztliche Kontrolle und die professionelle Zahnreinigung bleiben während der Behandlung bei Ihrer Zahnarztpraxis; wir stimmen uns mit ihr ab.

Mythos 8: „Wenn die Spange raus ist, bleiben die Zähne von selbst gerade“

Leider nein. Zähne haben ein Leben lang die Neigung, sich wieder zu verschieben. Deshalb folgt auf jede Behandlung die Retention: ein dünner Draht hinter den Frontzähnen, eine herausnehmbare Schiene für die Nacht oder beides. Beide Arten halten das Ergebnis in Studien gut; im Unterkiefer blieben die Frontzähne mit dem geklebten Draht etwas stabiler, dafür sammelt sich an ihm mehr Belag (Bellini-Pereira et al. 2021)8. Retainer sind in der Regel eine Privatleistung. Bei Kindern und Jugendlichen mit Kassenbehandlung kann die gesetzliche Krankenkasse die Retention bis zu zwei Jahre nach der aktiven Behandlung übernehmen. Ein festsitzender Retainer an den unteren Frontzähnen kann bei ausgeprägtem Engstand (KIG E3/E4) ebenfalls Kassenleistung sein. Wie lange und wie oft Sie den Retainer tragen, besprechen wir am Ende der aktiven Behandlung. Zur Kontrolle sehen wir Sie etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Entfernen der Zahnspange, danach alle 6 bis 12 Monate.

Mythen entkräftet, Entscheidung erleichtert

Viele der Vorurteile rund um Zahnspangen basieren auf veralteten Informationen oder Halbwissen. Welche Behandlung zu Ihnen passt, klären wir in der Erstberatung in unserer Praxis in Köln-Rodenkirchen, Hauptstr. 50. Nach der Buchung erhalten Sie per SMS oder E-Mail den Link zu unserer digitalen Anamnese „Nelly“. Termine auch unter 0221 93 53 020.

Gemeinsam finden wir den Weg zu einem gesunden Biss – und einem Lächeln, das zu Ihnen passt.

 

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Häufig gestellte Fragen rund um Mythen über Zahnspangen

Sind Zahnspangen nur etwas für Kinder und Jugendliche?

Nein. Zahnkorrekturen sind in jedem Alter möglich, solange Zähne und Zahnhalteapparat gesund sind. Gerade bei Erwachsenen sind unauffällige Aligner sehr beliebt. Erwachsene sind bei uns keine Ausnahme: Viele unserer Patientinnen und Patienten sind zwischen 30 und 70 Jahre alt.

Sind Zahnspangen immer sichtbar?

Nein. Neben klassischen Metallbrackets gibt es zahnfarbene Keramikbrackets und transparente Aligner. Für viele Fälle gibt es heute eine unauffällige Lösung.

Verursacht eine Zahnspange immer starke Schmerzen?

Nein. Nach dem Einsetzen oder Nachstellen ist ein Druckgefühl normal, das meist nach wenigen Tagen nachlässt. Von starken, dauerhaften Schmerzen spricht man nicht – bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie uns ansprechen.

Kann ich mit fester Zahnspange nichts mehr essen?

Doch, fast alles. Sehr harte, klebrige oder zähe Speisen sollten Sie meiden, um Brackets und Drähte nicht zu beschädigen. Ansonsten ist normales Essen problemlos möglich.

Sind Zahnspangen immer teuer und nicht bezahlbar?

Nicht pauschal. Bei Kindern und Jugendlichen übernimmt die gesetzliche Kasse die Behandlung ab einem bestimmten Schweregrad der Fehlstellung (KIG 3–5); der Eigenanteil von 20 Prozent wird nach erfolgreichem Abschluss zurückerstattet. Für private Leistungen erstellen wir transparente Kostenpläne, auf Wunsch mit Ratenzahlung bis zu 18 Monate zinsfrei direkt über die Praxis. Die Kosten hängen stark vom individuellen Befund ab.

Muss ich nach der Zahnspange einen Retainer tragen?

Ja, damit die Zähne in ihrer neuen Position bleiben. Retainer sind in der Regel eine Privatleistung; herausnehmbare kosten bei uns meist etwa 250–400 €, festsitzende etwa 400–600 €. Bei Kindern und Jugendlichen mit Kassenbehandlung kann die gesetzliche Krankenkasse die Retention bis zu zwei Jahre nach der aktiven Behandlung übernehmen. Wie lange und wie oft Sie ihn tragen, legen wir am Ende der Behandlung gemeinsam fest. Mehr dazu unter Retention.

Quellen:

  • Monk, A. B., Harrison, J. E., Worthington, H. V., & Teague, A. (2017). Pharmacological interventions for pain relief during orthodontic treatment. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 11, Art. No.: CD003976. doi:10.1002/14651858.CD003976.pub2
  • Tsichlaki, A., Chin, S. Y., Pandis, N., & Fleming, P. S. (2016). How long does treatment with fixed orthodontic appliances last? A systematic review. Am J Orthod Dentofacial Orthop, 149(3), 308–318. doi:10.1016/j.ajodo.2015.09.020
  • Benson, P. E., Parkin, N., Dyer, F., Millett, D. T., & Germain, P. (2019). Fluorides for preventing early tooth decay (demineralised lesions) during fixed brace treatment. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 11, Art. No.: CD003809. doi:10.1002/14651858.CD003809.pub4
  • Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinien für die kieferorthopädische Behandlung. g-ba.de/richtlinien/28
  • § 29 SGB V – Kieferorthopädische Behandlung. gesetze-im-internet.de/sgb_5/__29.html
  • Meyer-Marcotty, P., Klenke, D., Knocks, L., et al. (2021). The adult orthodontic patient over 40 years of age: association between periodontal bone loss, incisor irregularity, and increased orthodontic treatment need. Clinical Oral Investigations, 25(11), 6357–6364. doi:10.1007/s00784-021-03936-2
  • Li, Q., Du, Y., & Yang, K. (2023). Comparison of pain intensity and impacts on oral health-related quality of life between orthodontic patients treated with clear aligners and fixed appliances: a systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health, 23(1). doi:10.1186/s12903-023-03681-w
  • Bellini-Pereira, S. A., Aliaga-Del Castillo, A., dos Santos, C. C. O., et al. (2021). Treatment stability with bonded versus vacuum-formed retainers: a systematic review of randomized clinical trials. European Journal of Orthodontics, 44(2), 187–196. doi:10.1093/ejo/cjab073

Rechtsstand der Angaben zur Kassenleistung: 27.08.2026.

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Über die Autorin

Dr. Julia Steinmaier

Fachzahnärztin für Kieferorthopädie. Inhaberin von JUST KFO in Köln, gefragte Referentin und Autorin, die regelmäßig in Fachpublikationen und Medien auftritt.

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Dr. Julia Steinmaier
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