Quelle: Quintessenz Zahntechnik, Jahrgang 51, Ausgabe 10, Oktober 2025 (Originalartikel: Journal of Aligner Orthodontics 2023;7:267–283)
Autoren: Dr. Werner Schupp, Dr. Julia Haubrich, Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke)
Einleitung
Die digitale Bewegungsanalyse gewinnt in der Kieferorthopädie zunehmend an Bedeutung. Bisher basierte die virtuelle Zuordnung des Unterkiefers zum Oberkiefer in der Aligner-Therapie auf einer statischen „Best-Fit“-Anpassung der zentralen Okklusion (CO). Dieses Verfahren berücksichtigt jedoch nicht die realen physiologischen Kieferbewegungen, was zu Abweichungen zwischen geplanter und tatsächlicher Okklusion führen kann.
Reale Bewegungserfassung und virtueller Artikulator
Mit moderner digitaler Technik – insbesondere durch die Kombination von intraoralen Scans und digitaler Gelenkregistrierung mittels Digital Motion Decoder (DMD) – können individuelle Kieferbewegungen präzise erfasst werden.
Diese Daten werden in die Simulationssoftware OnyxCeph übertragen, wodurch eine patientenspezifische Artikulation und realitätsnahe Okklusionsplanung ermöglicht wird.
Okklusale Veränderungen und Rotationszentren
Die Lage der Rotationsachse des Unterkiefers beeinflusst die Okklusion wesentlich. Eine unphysiologische, starre Anpassung kann Kondylenverlagerungen verursachen, die langfristig zu kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD) führen können.
Durch die präzise Erfassung der realen Achsenbewegung lässt sich dies vermeiden.
Technischer Ablauf
- Intraoraler Scan der Zahnreihen
- Digitale Gelenkregistrierung mit dem DMD
- Bestimmung des ersten Okklusionskontakts in physiologischer Kondylenposition
- Datenabgleich mit OnyxCeph
- Simulation der Zahnbewegungen im virtuellen Artikulator
- Herstellung der Aligner auf Basis der simulierten Bewegung
Behandlungsbeispiel
Eine 39-jährige Patientin mit CMD-Symptomen und Frontzahnschäden wurde mithilfe digitaler Gelenkregistrierung behandelt.
Nach der Anpassung der virtuellen Okklusion und 16-wöchiger Aligner-Therapie kam es zur vollständigen Beschwerdefreiheit und einer stabilen, harmonisierten Okklusion.
(Bildreihen auf S. 916–917 zeigen die schrittweise Optimierung der Okklusionskontakte und die Endposition der Zähne.)
Zusammenfassung
Der Einsatz eines virtuellen Artikulators in der digitalen Behandlungsplanung verbessert die Präzision und Vorhersagbarkeit in der Aligner-Kieferorthopädie erheblich.
Er ermöglicht:
- realitätsnahe Simulationen,
- geringere Fehlstellungen nach Behandlung,
- höhere Effizienz und langfristig stabile Ergebnisse.
Quelle: Quintessenz Zahntechnik, Jahrgang 51, Ausgabe 10, Oktober 2025 (Originalartikel: Journal of Aligner Orthodontics 2023;7:267–283)