Ein zu schmaler Oberkiefer lässt sich erweitern, ohne eine festsitzende Apparatur einzukleben. Der Beitrag stellt eine herausnehmbare, an Klebepunkten verankerte Alternative vor, die die Mundhygiene erleichtert.
Minimalinvasive, attachmentverankerte Apparatur (LAMItec) zur Gaumennahterweiterung als Alternative zu zementierten oder skelettal verankerten Systemen.
Gaumennahterweiterung: mehr Platz im Oberkiefer – schonend und herausnehmbar
Bei manchen Kindern ist der Oberkiefer zu schmal. Die Folge sind oft ein Kreuzbiss und zu wenig Platz für die bleibenden Zähne. Eine bewährte Lösung ist die Gaumennahterweiterung (GNE), bei der die noch offene Wachstumsfuge in der Gaumenmitte sanft geweitet wird. Die zugrunde liegende Fachpublikation unserer Praxis stellt eine besonders schonende, herausnehmbare Variante dieser Behandlung vor. Im Folgenden erklären wir verständlich, worum es dabei geht.
Was ist eine Gaumennahterweiterung?
Der Oberkiefer besteht aus zwei Hälften, die in der Mitte durch eine Wachstumsfuge (die sogenannte Gaumennaht) verbunden sind. Bei Kindern und Jugendlichen ist diese Naht noch nicht vollständig verknöchert. Das macht man sich zunutze: Mit einer Apparatur, die über eine kleine Schraube langsam geweitet wird, lassen sich die beiden Hälften behutsam auseinanderführen. So entsteht mehr Knochen und mehr Platz – der Zahnbogen wird breiter, ein Kreuzbiss kann ausgeglichen und häufig sogar die Nasenatmung verbessert werden. Der ideale Zeitpunkt ist das Milch- oder frühe Wechselgebiss, weil die Naht dann noch offen ist. Mehr dazu auch in unserem Patientenratgeber zur Gaumennahterweiterung.
Warum eine herausnehmbare Alternative?
Üblicherweise werden Gaumennahterweiterungen fest einzementiert oder mit kleinen Schrauben im Knochen verankert. Das funktioniert gut, hat aber Nachteile: Feste Apparaturen erschweren die Mundhygiene erheblich. Schon nach wenigen Wochen zeigen sich häufig Zahnfleischentzündungen, und auch das Risiko für Karies und Entkalkungen steigt. Nicht jedes Kind – und nicht jede Familie – möchte zudem kleine Schrauben im Gaumen.
Die Idee: von der Schienen-Technik inspiriert
Die in der Fachpublikation vorgestellte Apparatur ist herausnehmbar. Sie wird – ähnlich wie bei modernen durchsichtigen Schienen – über kleine, zahnfarbene Halteelemente (Attachments) an den Zähnen gehalten, die einfach aufgeklebt werden. So sitzt die herausnehmbare Schiene sicher, lässt sich aber zum Essen und Zähneputzen herausnehmen. Das Ergebnis: eine uneingeschränkte Mundhygiene und deutlich weniger Reizungen des Zahnfleischs. Diese Behandlung ist ein typisches Beispiel aus der Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche und gehört zu den herausnehmbaren (losen) Apparaturen.
Wie läuft die Behandlung ab?
Nach dem Aufkleben der Halteelemente wird die individuelle Schiene angefertigt. Die Familie dreht die kleine Schraube nach Anleitung selbst – meist eine Vierteldrehung pro Tag. Die Apparatur wird ganztägig getragen und nur zum Essen und zur Zahnpflege herausgenommen. Wie bei jeder herausnehmbaren Behandlung ist die gute Mitarbeit entscheidend für den Erfolg.
Was zeigen die Behandlungsergebnisse?
In der Fachpublikation werden drei behandelte Kinder (acht und neun Jahre) vorgestellt. Bei allen konnte der Kreuzbiss erfolgreich ausgeglichen und der Oberkiefer spürbar verbreitert werden – der nötige Platz für die Zähne entstand bereits nach wenigen Wochen bis Monaten. Besonders erfreulich: Anders als bei festen Apparaturen zeigten sich am Zahnfleisch praktisch keine Entzündungszeichen. Im Anschluss wird das Ergebnis stabilisiert und die Behandlung bei Bedarf mit einem weiteren kinderkieferorthopädischen Gerät fortgeführt. Hintergründe zum Thema lesen Sie auch in unserem Beitrag Kreuzbiss erkennen und behandeln.
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Autoren: Dr. Julia Steinmaier (geb. Funke), Dr. Werner Schupp
Quelle: Funke J, Schupp W. Die attachmentverankerte Apparatur zur Gaumennahterweiterung – eine minimalinvasive Alternative. Kieferorthopädie 2019; 33(4): 395–403.